{Abo bestellen}
Kirchliche Unterstützung für Maiaufruf des DGB
Während die Verursacher der Weltwirtschaftskrise weitermachten wie vorher, hätten die Arbeitnehmer verantwortlich reagiert, bereitwillig Kurzarbeit akzeptiert und damit auf Lohnzahlungen und Rentenansprüche verzichtet. Andere hätten mit Verzicht auf Lohnerhöhungen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Betriebe verbessert.
Dies sei jedoch nur möglich, wenn die Arbeitnehmer Perspektiven hätten. "Nur wer Vertrauen in einen funktionsfähigen Sozialstaat hat, kann in der Krise zum Wohle aller Verzicht üben", heißt es in dem aktuellen Maiaufruf des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) und des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Zu den Unterzeichnern gehören auch die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) in der bayerischen Landeskirche und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soziale Fragen in Bayern und Thüringen (EAG).
"Berührungsängste können sich Kirchenleute und Gewerkschafter nicht mehr leisten"
Als Konsequenz aus der Finanzkrise haben Kirchenleute und Gewerkschafter eine "Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Bayern" gegründet, die sich am vergangenen Mitwoch erstmals in Nürnberg der Öffentlichkeit präsentierte. Die Vereinigung fordert die Rückbesinnung auf die Werte der christlichen Soziallehre und der Arbeiterbewegung. Berührungsängste könnten sich Kirchenleute und Gewerkschafter nicht mehr leisten.
In ihrer Gründungserklärung geht die neue Initiative mit der neoliberalen Wirtschaftstheorie ins Gericht. Deren Konzepte seien gescheitert. Nun müssten wieder die Menschen in den Mittelpunkt des politischen Handelns gerückt werden. "Die Verursacher der Krise müssen zahlen, Zockern und Spekulanten müssen Grenzen gesetzt werden", sagte der mittelfränkische Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stephan Doll. Die Initiative fordert die Einführung der Transaktionssteuer, des gesetzlichen Mindestlohns, kostenfreie Bildung und die Bürgerversicherung.
"Versagt kein zweites Mal"
Seit Jahren werde die Gesellschaft durch den Ausbau des Niedriglohnsektors destabilisiert, kritisierte der stellvertretende Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der evangelischen Landeskirche, Friedemann Preu (Nürnberg). Die soziale Frage des 21. Jahrhunderts sei genauso gefährlich wie die des 19. Jahrhunderts. "Versagt kein zweites Mal", appellierte er an die Kirchenleitungen.
Beim kommenden "2. Ökumenischen Kirchentag" in München und bei den Maikundgebungen will die Initiative um weitere Unterstützung werben. Derzeit führt sie ein Scharmützel mit dem Bayerischen Rundfunk. Sie fordert vom Sender die Reduzierung der Börsenberichterstattung. Mit dem realen Leben der Menschen hätten die ständigen Börsennachrichten nichts zu tun, sagte der Nürnberger Ruhestandspfarrer Hans-Gerhard Koch.
Gottesdienst am Tag der Arbeit
Die Gründungserklärung wird von rund 30 Erstunterzeichnern unterstützt. Dazu gehören die Sozialethik-Professoren Friedhelm Hengsbach, Franz Segbers und Ulrich Duchrow, der Nürnberger evangelische Stadtdekan Michael Bammessel und der Landespräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Charles Borg-Manche. Mitverfasser ist der neue bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena.
Letzterer wird übrigens auch zu Gast sein beim "Gottesdienst mit ArbeitnehmerInnen am Tag der Arbeit" am Samstag, 1. Mai, um 9 Uhr in die Heilig-Geist-Kirche Augsburg, Spitalgasse 17 (zwischen Augsburger Puppenkiste und Rotem Tor), zu dem das Evangelische Dekanat Augsburg, die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der DGB herzlich einladen. Der Gottesdienst steht unter dem Leitgedanken "Wir gehen vor! Gute Arbeit - Gerechte Löhne - Starker Sozialstaat". Die Ansprache hält der neue DGB-Vorsitzende Jena, die Predigt wird gestaltet von Dekan Fritz Graßmann.
Quelle: epd

