Perspektiven für den 2. Ökumenischen Kirchentag 2010

2010 – ein Schlüsseljahr der Ökumene
von Kirchenrat Ivo Huber, Ökumenereferat

Kirchenrat Ivo HuberMit dem Jahr 2010 stehen bedeutende ökumenische Ereignisse ins Haus.
Der Weltmissionskonferenz in Edinburgh, die viele für das Schlüsselereignis der modernen Ökumene halten, jährt sich 2010 zum 100sten Mal. Wahrscheinlich wird das Jubiläum in einem Land der südlichen Halbkugel mit einer großen Weltversammlung begangen.

Die Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds wird dann im Sommer in Stuttgart tagen. Das erste Mal wird diese Weltveranstaltung, die nur alle 7 Jahre durchgeführt wird, in ökumenischer Offenheit Mitglieder des Reformierten Weltbundes zu Gast haben.

Und nicht zuletzt wird der zweite ökumenische Kirchentag auf Einladung der Erzdiözese München-Freising und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in München stattfinden.

Das sind große Ereignisse, die zumindest was den Kirchentag angeht, die Landeskirche ganz unmittelbar betreffen. Seit einiger Zeit ist überlegt worden, welcher Akzent zur Vorbereitung auf 2010 gesetzt werden könnte. Der Ökumenefachausschuss hat dazu die Erarbeitung einer Ökumenekonzeption vorgeschlagen, die voraussichtlich im Frühjahr 2010 durch die Landessynode verabschiedet werden soll.

Nun kann man mit Sicherheit fragen, ob eine weitere Konzeption Erkenntnisgewinn mit sich bringt. Manche sind Untersuchungen und Entwicklungen in solchem Maß überdrüssig, dass ihre Erwartung gegen Null tendiert und entsprechend hoch wird ihr Engagement für derartige Projekte zu veranschlagen sein.

Was kann eine solche Konzeption Neues bringen?

Die Landeskirche beschreibt sich in ihrer Verfassung als Teil der weltweiten Kirche, des Lutherischen Weltbundes und des Ökumenischen Rates der Kirchen und somit als dezidiert ökumenisch. Jenseits der Verfassung ist die Vorstellung dessen, was das konkret bedeutet, aber zu keiner Zeit ausgearbeitet worden. Es ist weitgehend unklar, welche Vorstellung von Ökumene die Landeskirche bewegt, auf welchem Grund sie sich überhaupt in der Ökumene engagiert. Wahrscheinlich wird es darüber auch höchst unterschiedliche theologische Ansätze und Motivationen geben. Dem Ökumenefachausschuss schien es notwendig, sich darüber Gedanken zu machen und das Ergebnisse mit der Hoffnung zur Diskussion zu stellen, dass daraus ein konkreterer Grundkonsens darüber erwächst, warum, wie und wofür wir uns in der Ökumene engagieren.

Die Definition von Qualitätsstandards in der Ökumene. Damit soll offen gelegt werden, welchen Handlungsprinzipien wir uns verpflichtet wissen.
Die Erarbeitung einer „ökumenischen Landkarte“ unserer Landeskirche. Wir hoffen verdeutlichen zu können, welcher Reichtum an Ökumene in unserer Landeskirche zu finden ist.
Es sollen klare Ziele der ökumenischen Arbeit benannt werden, die wir für einen bestimmten Zeitraum ins Auge fassen.

Mit dieser Konzeption soll die theologische Position der Landeskirche in Sachen Ökumene geklärt werden und die vielfältige Ökumene im Bereich unserer Landeskirche einer weiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Gleichzeitig machen wir uns mit der Vorlage der Konzeption auch selbst überprüfbar. Das gilt zum einen für unsere Qualitätsstandards, an denen uns unsere ökumenischen Partner messen werden, zum anderen für die Zielvorstellungen, deren Umsetzung überprüft werden wird.

Die Landeskirche präsentiert sich mit der Konzeption ihren Partnern gegenüber als jemand mit einem klaren Konzept, das hinterfragt werden kann und soll. Sie stellt aber auch einen Maßstab für die weitere Entwicklung im Bereich Ökumene auf, den sie selbst in Angriff nehmen möchte und an dem sie sich messen lassen will.

Wie geht es im Konkreten weiter?

Der Ökumenefachausschuss arbeitet im Moment am theologischen Teil der Konzeption und den Qualitätsstandards. In 2008 werden erste Konsultationen mit den ökumenischen Partner stattfinden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in den Prozess kritisch mit ein zu bringen.

Ebenfalls 2008 wird in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nürnberg und den Ökumenebeauftragen der Dekanatsbezirke die „ökumenische Landkarte“ erstellt. Erst im Anschluss daran, sollen die Zielvorstellungen angegangen werden, um die Erfahrungen der Dekanatsbezirke und Kirchengemeinden mit aufnehmen zu können. Anfang 2009 soll die Konzeption den kirchenleitenden Gremien vorliegen, damit sie im Frühjahr 2010 von der Synode beschlossen werden kann. 

Das ist zwar ein weit gespannter Zeitplan, aber angesichts des ambitionierten Zieles doch ziemlich gedrängt.

Ich finde, es lohnt sich, weil damit ein intensives Nachdenken über Ökumene im Zugehen auf den Ökumenischen Kirchentag 2010 angestoßen wird. Wenn alles gut läuft, verfügt die Landeskirche für den Kirchentag über eine deutliche und für die ökumenischen Partner transparente Position als eine Plattform, an der sie sich messen lassen will und der sich, so hoffe ich, auch die Partner messen werden. 

Kontakt:

KR Ivo Huber, ivo.huber@elkb.de

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