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Kirche verstärkt Flüchtlingsarbeit in Zirndorf
Während die Wohlfahrtsverbände in Zirndorf ihre Stellen wegen sinkender staatlicher Zuschüsse reduzieren mussten, setzt die Landeskirche mit der Stellenerrichtung ein Zeichen gegen den Trend. „Ich empfinde das wie ein Wunder“, sagte Bartsch, der seit 22 Jahren Flüchtlingsarbeit leistet, dem epd.
„Für viele auf der Welt ist Deutschland der Ort, den sie für das Paradies halten“, sagte Regionalbischof Nitsche. Das verpflichte zu einem menschlichen Umgang mit den Ankommenden. Rein statistisch entfalle auf jede evangelische Kirchengemeinde in Bayern ein Viertausendstel der Kosten für die neue halbe Stelle, rechnete Nitsche vor. Dies sei ein geringer Betrag, aber ein großer Zugewinn an Humanität.
Es fehlt an Nachfolgeeinrichtungen
In der Erstaufnahmeeinrichtung gibt es mehrere evangelische Initiativen: Die Zirndorfer Kirchengemeinde betreibt das „Café Europa“, ihr Asylkreis bietet ehrenamtlich Deutschunterricht, das Diakonische Werk Schwabach leistet Gesundheitsberatung, und die Rummelsberger Diakonie kümmert sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
„Die Zahl der Jugendlichen hat so stark zugenommen, dass wir nur noch hinterherhecheln können“, sagte Amely Weiss von den Rummelsberger Diensten für junge Menschen. Bayernweit fehle es an Nachfolgeeinrichtungen, in denen die 16- bis 18-Jährigen nach der Erstaufnahme zur Ruhe kommen und sich auf einen Beruf vorbereiten könnten. Außerdem sei die Zeit von drei bis sechs Wochen zwischen dem Eintreffen in Deutschland und der ersten Asyl-Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge viel zu kurz. Die Jugendlichen seien da noch „völlig durcheinander“ und könnten überhaupt nicht einordnen, was mit ihnen geschehe.
"Den Menschen fair begegnen"
Vor diesem Problem steht auch Claudia Kiefer, die für die Nürnberger Frauenberatungsstelle Jadwiga in Zirndorf die Opfer von sexueller Gewalt und Zwangsprostitution betreut. „Diese Frauen haben ihren Fluchtweg voller Gesundheit und Tatendrang angetreten“, sagte sie. Unterwegs gerieten sie in die Abhängigkeit von Schlepperbanden, die ihnen keine andere Wahl ließen, als die Kosten durch Prostitution abzuarbeiten.
In psychisch desolatem Zustand müssten sie sich dann der Asyl-Anhörung stellen. „Kaum eine dieser Frauen bringt es fertig, das auszusprechen, was ihr passiert ist“, sagte Claudia Kiefer. Um sie wieder zu stabilisieren, brauche die Frauenberatungsstelle mehr Zeit. Das wisse auch das Migrations-Bundesamt, lobte Kiefer. Es sei deshalb immer wieder bereit, auf besondere Einzelschicksale Rücksicht zu nehmen. Gräfin Ursula Paschma, die im Bundesamt für Asylverfahren zuständig ist, unterstrich dies: „Auch wenn wir die meisten Fälle ablehnen müssen, legen wir größten Wert darauf, den Menschen fair zu begegnen.“
Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland nimmt nach dem Tiefststand des Jahres 2007 wieder zu. In Zirndorf kommen derzeit vor allem Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Irak und Somalia an.

