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Kirche als Klammer für deutsche Wiedervereinigung
In seinem langen politischen Leben sah Haack die Überwindung der deutschen Teilung als eine kontinuierliche Aufgabe und Herausforderung. Dabei waren für den gebürtigen Karlsruher nicht Revanchismus, Flucht oder Vertreibung die Triebfeder, sondern der Anspruch jeder Nation auf Einheit und Selbstbestimmung. Deshalb stand er schon während seiner Studienzeit in Bonn - in der er häufiger in den Bundestag als an die Universität ging - der Politik Adenauers mit ihrer starken Westeinbindung skeptisch gegenüber und engagierte sich in der SPD.
Schon bald wird für den Juristen und überzeugten evangelischen Christen die offene deutsche Frage zur Profession: 1963 geht Haack als Beamter in das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen, in dem er Büroleiter für Minister Herbert Wehner wird. 1978 wird Haack als bis dahin jüngstes Regierungsmitglied Bundesbauminister im Kabinett Helmut Schmidt. In dieser Funktion reist Haack als einer der ersten westdeutschen Spitzenpolitiker zu hochkarätigen Fachgesprächen in die DDR.
Offene, deutsche Frage ein wichtiges Anliegen
In der SPD bleibt Haack ein unbeirrter Mahner für die staatliche Einheit und sieht die auch in seiner Partei vertretene Anpassung an den realen Sozialismus sowie die politischen Realitäten kritisch. Über Parteigrenzen hinaus bleibt für Haack die offene deutsche Frage ein wichtiges Anliegen: Von 1988 bis 1992 war er der - letzte - Vorsitzende des Kuratoriums "Unteilbares Deutschland". Diese am 14. Juni 1954 in Bad Neuenahr bei Bonn gegründete Vereinigung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Gedanken der deutschen Einheit wachzuhalten und eine Wiedervereinigung "in Freiheit" anzustreben. Zu den Unterzeichnern des Gründungsmanifests gehörten Persönlichkeiten wie Gustav Dahrendorf, Hermann Ehlers, Luise Schröder, Paul Sethe oder Herbert Wehner.
Auch in seinem kirchlichen Spitzenamt lässt Haack die deutsche Frage keine Ruhe. Die Partnerschaft mit den ostdeutschen Kirchen liegt ihm am Herzen, er wirbt für regen Kontakt und Begegnungen über die innerdeutsche Grenze. Nach seiner tiefen Überzeugung muss gerade die evangelische Kirche eine Klammer zwischen den beiden deutschen Staaten sein.
Im Prozess der Einheit nicht abseits stehen
Diese Auffassung vertritt Haack ab 1990 mit großem persönlichen Engagement in seinem Ehrenamt als Präsident der bayerischen Landessynode. Unmittelbar nach der friedlichen Revolution 1989 setzt er sich für die deutsche Einheit ein und stellt sich damit auch in Widerspruch zu gewichten Teilen seiner Kirche, die für eine "Zweistaaten-Lösung" und eine behutsame Annäherung plädieren. Die Kirche dürfe "im Interesse der Menschen" im Prozess der Einheit nicht abseits stehen und müsse den "Wunsch nach raschem Beitritt" akzeptieren, so Haacks Überzeugung.
Wie Haack 20 Jahre später sagt, hätte er sich eine derart schnelle Wiedervereinigung bei allem Optimismus nicht vorstellen können. Von den teils erbitterten Gegnern dieser Lösung - aus Politik und Kirche - würde er sich heute ein kleines Eingeständnis wünschen, dass sie mit ihrer damaligen Auffassung nicht ganz richtig lagen.
Quelle: epd

