"Mein Masterplan ist es, authentisch zu sein"

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Herr Hüneke, die Band Wise Guys war in den vergangenen Jahren Dauergast beim „Deutschen Evangelischen Kirchentag“ und wird auch beim „2. Ökumenischen Kirchentag“ vom 12. bis 16. Mai 2010 in München wieder dabei sein. Mit welchen Gefühlen und Gedanken blicken Sie diesem Großereignis entgegen?

Eddi Hüneke: „Mit ganz viel Freude auf ein einzigartiges Publikum. Die Menschen, die beim Kirchentag anwesend sind, ihn organisieren oder besuchen, befinden sich in einem positiven Ausnahmezustand. Sie sind offen, fröhlich und gehen davon aus, dass das Verkehrsnetz zusammenbrechen wird (lacht). Alles, was einem sonst auf die Nerven geht im Alltag, wird plötzlich Bestandteil eines bunten, lebendigen Programms, das die Menschen mit Gelassenheit akzeptieren und annehmen. Daraus ergibt sich eine positive Rückkopplung für mich, aus der ich meine Vorfreude schöpfe.“

Die Wise Guys gestalten dieses Programm beim „Zweiten Ökumenischen Kirchentag“ ja wieder fleißig mit: Sie nehmen an einer Bibelarbeit teil, am Donnerstag, 13. Mai, lädt die Band zu ihrem großen Konzert auf der Theresienwiese. Und am 15. Mai sind Sie mit Ihrer Schwester Gesa beim ,Offenem Singen' auf dem ,KonFirmlinge’-Tag im Olympiapark zu Gast. In den vergangenen Jahren war die Aktivität der Wise Guys bei diesem Event ähnlich stark ausgeprägt. Woher rührt eigentlich das Interesse für den Kirchentag?

Eddi Hüneke: „Es hat sich für uns zur liebgewordenen Tradition etabliert. Obwohl wir nie eine christliche Band waren. Ich meine, die meisten von uns sind schon kirchenaffin, so ist es nicht. Aber ich würde uns nicht als klassisch christliche Band bezeichnen. Ich glaube, ich muss auch hier wieder mit den Menschen argumentieren, die wir dort antreffen. Beim Kirchentag 2007 in Köln haben wir 70 000 Menschen gezogen zum weltgrößten A-Cappella-Konzert überhaupt. Ich hoffe, dass es dieses Jahr in München wieder so wird, aber ich gehe mal davon aus, wir sind einfach mit den Leuten auf einer Wellenlänge. Das Publikum, das wird dort antreffen, zeichnet sich durch eine kritische Grundhaltung zum Leben aus, die jedoch keinen destruktiv nörglerischen Charakter hat, sondern eine konstruktive Handlungsorientiertheit nach sich zieht. Das passt einfach zu uns.“

Wie berühren Sie die Menschen?

Eddi Hüneke: „Mein Masterplan seit einiger Zeit ist es, authentisch zu sein. Darunter verstehe ich, nachzuspüren, was gerade da ist, wie sich der Moment gerade anfühlt, was ich mit ihm machen kann, wie ich in ihn hineinkriechen kann. Dabei darf man möglichst wenig denken, dann klappt es am besten. Vielleicht muss ich es dann auch noch anders sagen: Mein Masterplan seit einiger Zeit ist es, keinen Plan zu haben. Mich auf den Augenblick einzulassen, mich voll in seine Lebendigkeit fallen zu lassen. Aus dieser Leichtigkeit entsteht Lebensfreude, mit jedem Konzert versuchen wir, Lebensfreude zu transportieren. Wenn das gelingt, fühlen sich Menschen berührt.“

Wie fühlt sich Gläubig-Sein für Sie an?

Eddi Hüneke: „Wenn mich einer fragen würde, ,glaubst du an Gott?’, würde ich antworten, ,ja, ich glaube an Gott’. Aber eigentlich kann dieser Satz gar nicht fassen, wie es sich für mich anfühlt, zu glauben. Eigentlich kann Sprache, können Worte das generell nicht fassen, sie würden immer zu kurz greifen. Wenn ich es aber dennoch versuchen müsste, auszudrücken, würde es, glaube ich, beim ersten Hören ganz banal klingen. Ich würde dann nämlich sagen, dass ich mit Glauben ein Grundempfinden verbinde, dass alles letzten Endes gut ist. Dieses Grundempfinden, diese Kraft trage ich tief in mir. Und diese Kraft sitzt im Herzen, nicht im Kopf – ganz wichtig!“

Welches Verhältnis haben Sie zur Evangelischen Kirche?

Eddi Hüneke: „Ein gutes Verhältnis! Mittlerweile wohne ich ja in Hürth, da haben wir eine Supergemeinde und tolle Pfarrer. Alles gut.“

Beginnen Sie an Kirche zu zweifeln, wenn sich so etwas ereignet, wie jüngst die Alkoholfahrt von Margot Käßmann?

Eddi Hüneke: „Nein. Der Fehler, der Frau Käßmann da passiert ist, ist meiner Meinung nach auch irgendwo zutiefst menschlich und völlig normal. Ich bedauere es sehr, dass sie nicht mehr an der Spitze der Evangelischen Kirche steht. Aber darüber hinaus: Mein Glaube steht und fällt auch nicht mit der Evangelischen Kirche als Institution an sich. Ich habe aber nie an ihr gezweifelt. Und meinen Glauben kann sowieso so schnell nichts erschüttern.“

Herr Hüneke, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Interview: Almut Steinecke

Weitere Informationen rund um den "2. Ökumenischen Kirchentag" in München finden Sie auf unseren Seiten!