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Bamberg: Fraueninitiative bringt Musliminnen, Jüdinnen und Christinnen zusammen
Im Freistaat gibt es viele Vereine, die den Dialog zwischen zwei Religionen unterstützten. Aber eine Initiative, die den Zusammenhalt zwischen christlichen, jüdischen und muslimischen Frauen fördert, gibt es nur in der oberfränkischen Domstadt. Und das kam so:
Mirjam Elsel startete vor vier Jahren ein einmaliges Projekt. Sie hat Jüdinnen, Christinnen und Musliminnen eingeladen, damit die Frauen die jeweils anderen Religionen kennen lernen konnten. "Egal, welchen Glauben die Frauen haben. Sie beschäftigen sich im Alltag meist mit den gleichen Fragen", meint Elsel. Wie und welche Feste feiert man? Was wird gekocht? Mit welchen Werten werden Kinder erzogen? "Die Frauen haben uns geradezu die Bude eingerannt", erzählt Elsel stolz. Der Grundstein für die Interreligiöse Fraueninitiative war gelegt.
Die 70.000-Einwohner-Stadt Bamberg weist einen Migrantenanteil von 20 Prozent auf. Allein deshalb sei es notwendig die verschiedenen Kulturen aufzufangen und mit der Fraueninitiative Integrationsarbeit zu leisten, meint Elsel. Pro Jahr werden bis zu 500 Frauen aus über zehn Nationen erreicht durch regelmäßige Treffen, Projekte und Workshops. Ein Team von rund 20 sogenannten Schlüsselfrauen aus allen drei Religionen koordiniert die Initiative.
Die Muslimin und gebürtige Türkin Enif Cevik ist eine von ihnen. Sie ist vor einem Jahr zu Fraueninitiative gekommen. Nicht ohne Bedenken. "Ich habe am Anfang nicht gedacht, dass so etwas klappen kann", lacht Cevik. Viel zu unterschiedlich seien die Frauen. "Aber ich wurde eines Besseren belehrt", sagt die 29-Jährige jetzt zufrieden. Durch die Initiative habe sie zum ersten Mal eine jüdische Synagoge von innen gesehen. Eine Bereicherung sei es für ihr Leben, über den Tellerrand hinauszublicken, sagt sie.
Da kann ihr die Jüdin Tatiana Manastyrskaja nur zustimmen. "Durch den Kontakt mit anderen, habe ich gemerkt, welche Vorurteile ich selbst hatte." Sie sei automatisch davon ausgegangen, dass Cevik als Türkin mit ihrem Mann eine Dönerbude habe. "Dabei habe ich Wirtschaftspädagogik studiert und arbeite als Referendarin in der Schule", lacht Cevik. Missverständnisse und Vorurteile würden immer wieder auftauchen und seien wichtig, davon ist Elsel überzeugt. Auf diese Weise kämen bereichernde Diskussionen zustande. Jeder könne dazulernen und so Vorurteile abbauen.
Doch die Frauen bleiben nicht nur unter sich. Sie werden auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene aktiv. Beim NPD-Parteitag in Bamberg in diesem Jahr haben sie ein öffentliches multireligiöses Gebet gegen Rechtsextremismus organisiert. Über 1000 Menschen konnten sie damit erreichen. "Wir versuchen uns natürlich nach außen zu präsentieren, Netzwerke aufzubauen und Kontakte unserer Frauen zu nutzen, um etwas zu bewegen", sagt Elsel. Die offiziellen Vertreter der jeweiligen Religionen in Bamberg seien inzwischen auf die Initiative aufmerksam geworden. "Inzwischen gibt es hier sogar eine Frau im Vorstand einer Moschee", freut sich Elsel.
Auch der Freistaat Bayern schätzt das Engagement der Frauen: Im Dezember wurden sie für ihre Verdienste um Integration und den interreligiösen Dialog mit dem Ehrenpreis des Bürgerkulturpreises des Bayerischen Landtags ausgezeichnet.
(Quelle: epd)

