Pressemitteilung vom 31.10.2006

Regionalbischöfin Breit-Keßler predigt zum Reformationstag:
Aufruf zum Schutz der Sonn- und Feiertage. Protestantische Frömmigkeit stärkt menschenfreundliche Gesellschaft und Freiheit des Individuums.

Die Ständige Vertreterin des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, kritisierte die zunehmende Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage und rief die Menschen dazu auf, sich für den in der Verfassung garantierten Schutz der Sonn- und Feiertage als „Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ einzusetzen. Auch gegen die vorzeitige Öffnung von Christkindlmärkten bereits am Toten- oder Ewigkeitssonntag könne „mit guten Gründen protestiert werden“, erklärte Breit-Keßler in ihrer Predigt zum Reformationstag in der Münchner Kirche St. Matthäus.

Eine der wichtigsten Errungenschaften der Reformation durch Martin Luther sei das Bewusstsein, „gerechtfertigt und mit individuellen Gaben und Fähigkeiten gesegnet zu sein, die nach Verwirklichung drängen“, erinnerte die Regionalbischöfin. Wer sich von Gott geliebt wisse, der habe Lust, etwas für sich und andere zu tun. Von daher sei es „eine Folge der Rechtfertigung, wenn sich Christen in ihrem persönlichen Verhalten darum bemühen, zu einer lebens- und liebenswerten Gesellschaft und Kirche beizutragen.“ Allein in der bayerischen Landeskirche engagierten sich 65.000 Menschen haupt- und 144.000 Menschen ehrenamtlich, eine stolze Zahl, betonte Breit-Keßler.

Die reformatorische Einsicht, dass, mit Martin Luther gesprochen, ein Christenmensch Herr und Knecht, Herrin und Magd zugleich ist, sei „nicht aufzuspalten in eine beschauliche, sofakissengestützte innere Freiheit einerseits und in eine demütig-buckelnde Anpassung nach außen“. Protestantische Frömmigkeit stärke das Individuum und eine menschenfreundliche Gesellschaft. Innere, gottgeschenkte Freiheit wirke im eigenen Handeln in der Welt weiter, erläuterte Breit-Keßler. So sollten es auch die
Kinder im Religions- und Konfirmandenunterricht lernen.

Wörtlich ergänzte sie: „Evangelisch – das ist Ausdruck eines Gottvertrauens, das persönliche Freiheit mit Verantwortung für sich selbst und für andere verbindet. Evangelisch – das ist ein Christsein, das zu kritischer Distanz gegenüber anderen Mächten und Gewalten befähigt, seien es die auf den Bühnen des Weltgeschehens oder die Kräfte, die in uns selbst nach Dominanz streben. Evangelisch – das ist die Freiheit, in der mit Herz und Verstand das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Sein vom Schein, die Wahrheit von der Lüge unterschieden wird. Eine Freiheit, die deshalb wirkliche und ehrliche Gemeinschaft ermöglicht – in Partnerschaft, in Kirche und Gesellschaft.“

Die Predigt im Wortlaut erhalten Redaktionen über die Pressestelle der bayerischen Landeskirche, Tel.: 089/5595-552, oder E-Mail: poep@elkb.de. Sie Predigt kann hier heruntergeladen werden (pdf-Datei).

Michael Mädler, Stellv. Pressesprecher
München, 31. Oktober 2006


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