Pressemitteilung vom 18.01.2008

Meinungsaustausch zwischen Landeskirchenrat und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Große Übereinstimmung in der Bewertung der wichtigen Rolle der Familie, differenzierte Positionen in Fragen des Sonntagsschutzes – das ergab der jüngste Meinungsaustausch zwischen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) und dem Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB).

Randolf Rodenstock, Präsident der vbw, stellte die wichtige Rolle der Familie als Ort der Vermittlung von Grundvertrauen, Werten und elementaren sozialen Fähigkeiten heraus. Deutschland brauche beides: mehr Kinder, aber auch mehr qualifizierte weibliche Fachkräfte. Aus diesem Grund, so Rodenstock, unterstütze die bayerische Wirtschaft in mehreren Projekten Familien in ihrem Bemühen, familiäre und berufliche Aufgaben besser mit einander zu vereinbaren.

Landesbischof Dr. Johannes Friedrich wies darauf hin, dass die Förderung der Familie zu den zentralen Anliegen der Kirche gehöre. Besonders wichtig seien dabei ausreichende Kinderbetreuungsangebote, die den Frauen und Familien Gestaltungsmöglichkeiten offenließen. Erst kürzlich habe die bayerische Landeskirche 1 Million Euro als Anschubfinanzierung für den Aufbau von Kinderkrippen zur Verfügung gestellt. 

In der Frage des Sonntagsschutzes zeigten sich unterschiedliche Positionen: Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw, verwies darauf, dass in manchen Betrieben Ausnahmegenehmigungen für Sonntagsarbeit die Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland verhinderten. Oberkirchenrätin Dr. Karla Sichelschmidt, Leitende Juristin der ELKB und Leiterin des Landeskirchenamts betonte die Rolle der Kirche als Fürsprecherin von „gemeinsamer freier Zeit“ für Gottesdienstbesuch, aber auch für Familienaktivitäten oder im Ehrenamt. Der Wochenrhythmus mit  Werktagen und Sonntag sei biblisch verankert und habe sich als menschendienlich bewährt. In diesem Zusammenhang sieht sie auch die Forderung nach Wiedereinführung des Buß- und Bettags als arbeitsfreiem Feiertag. Bemerkenswert sei, so Sichelschmidt, dass die Initiativen zur Wiedereinführung des Buß-und Bettages von einzelnen Gemeinden und Dekanaten in Bayern ausgegangen seien, also eine „Basisbewegung“ darstellten. Die vbw hingegen lehnt die Wiedereinführung des Buß- und Bettags als Feiertag ab, weil die Streichung als Teil der Finanzierung der Pflegeversicherung gedacht sei. Ohne diesen Tag als Arbeitstag würden die Lohnzusatzkosten weiter erhöht, was sich negativ auf die Beschäftigung auswirke.

In der Frage der Einführung eines Mindestlohnes ließen sich die Mitglieder des Landeskirchenrats über die Position der vbw informieren. Die vbw lehnt Mindestlöhne strikt ab. „Mindestlöhne rauben genau denjenigen Beschäftigungschancen, die es besonders schwer haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Denn gerade Menschen mit geringer Qualifikation, Langzeitarbeitslose und Berufseinsteiger haben nur mit entsprechend niedrigen Löhnen die Möglichkeit, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Wenn der Preis für Arbeit zu hoch ist, werden keine Stellen angeboten“,  sagte Brossardt. Landesbischof Friedrich dankte für die Informationen und fügte hinzu: „Wir sind nun sehr gespannt auf die Argumente zugunsten eines Mindestlohnes, die uns der DGB bei dem anstehenden Gespräch mit der Kirchenleitung präsentieren wird."

München, 18. Januar 2008
Johannes Minkus, Pressesprecher


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