Pressemitteilung vom 06.03.2008
Gegen weitere Aushöhlung des Sonntagsschutzes — Arbeit muss menschenwürdige Existenz sichern
Begegnung des Landeskirchenrats mit dem DGB Bayern
Die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und der Deutsche Gewerkschaftsbund Bezirk Bayern (DBG Bayern) wollen weiterhin gemeinsam gegen eine Aushöhlung des Sonn- und Feiertagsschutzes ankämpfen. Das haben Landesbischof Dr. Johannes Friedrich und Fritz Schösser, Vorsitzender des DGB Bayern, im Rahmen einer Begegnung von Landeskirchenrat und DGB Bayern in München bekräftigt. Der freie Sonntag habe einen „unschätzbaren Wert“ für unser Gemeinwesen, er dürfe nicht einer immer weiter fortschreitenden Ökonomisierung geopfert werden. Beide Seiten verabredeten, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe die ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die durch Sonntagsarbeit entstehen, herauszuarbeiten. Friedrich und Schösser waren sich darin einig, dass der Beirat für Sonntagsarbeit auf Landesebene unbedingt erhalten bleiben muss.
Positiv gewürdigt wurde in diesem Zusammenhang die Arbeit der „Allianz für den freien Sonntag“, in der sich seit 2007 unter anderem der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda), die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für den Erhalt des Sonntags als arbeitsfreien Tages einsetzen.
Landesbischof Friedrich informierte sich unter anderem auch über die Position der Gewerkschaften zur Einführung eines Mindestlohnes. Der bayerische DGB-Vorsitzende Schösser erläuterte aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt, insbesondere die Zunahme prekärer Beschäftigung und Leiharbeit, und bekräftigte die Forderung des DGB nach einem gesetzlichen Mindestlohn. Die Arbeitswelt müsse „Menschen das bieten, was sie wollen und brauchen — nicht irgendeine Arbeit, sondern gute Arbeit, sichere Arbeitsplätze, Einkommen für ein Leben ohne existenzielle Sorgen, Schutz der Gesundheit, Mitbestimmung, Entfaltungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen.“ Beide Vertreter waren sich darin einig, das Arbeit eine menschenwürdige Existenz von Arbeitnehmern und Familien garantieren müsse. Daraus folge ein Handlungsauftrag für Unternehmen, Politik und Gesellschaft.
Mit Blick auf die Kommunalwahl und die bevorstehende Landtagswahl äußerten sich DGB Bayern und Landeskirchenrat sehr besorgt hinsichtlich der anhaltenden Bemühungen rechtsextremistischer Gruppierungen, insbesondere bei jungen Menschen Interesse für ihre undemokratischen und menschenverachtenden Vorstellungen zu wecken. Über vermehrte Aktionen des „Bayerischen Bündnisses für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“, das unter anderem von den beiden großen Kirchen und dem DGB Bayern getragen wird, soll die Aufklärungsarbeit verstärkt werden, äußerten sich Schösser und Friedrich.
Begegnungen zwischen dem Landeskirchenrat und dem DGB Bayern finden turnusmäßig einmal jährlich statt.
Michael Mädler, Stellv. Pressesprecher
München, 6. März 2008

