Pressemitteilung vom 31.10.2001

"Es gibt keine theologische Rechtfertigung für einen gerechten Krieg"
Predigt des bayerischen Landesbischofs am Reformationstag in Bamberg

Bamberg/München. "Krieg darf um Gottes willen nicht sein". An diese Mahnung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich in seiner Predigt am Reformationstag in der Bamberger St. Stephanskirche erinnert. Es gebe keine theologische Rechtfertigung für einen "gerechten Krieg", erklärte der bayerische Landesbischof mit Hinweis auf die aktuelle weltpolitische Situation.

In seiner Predigt, die vom Bayerischen Rundfunk übertragen wurde, bezeichnete es der Landesbischof als Aufgabe aller Christen, sich für einen "gerechten Frieden" einzusetzen. Dazu gehöre allerdings auch eine realistische Sicht des "Bösen" in der Welt. Friedrich: "Es wäre unverantwortlich, den Terror vom 11. September und die verbrecherischen Anschläge mit biologisch-chemischen Todesstoffen zu verharmlosen." Vielmehr sei es die Pflicht der internationalen Staatengemeinschaft, die Bürgerinnen und Bürger vor den "wahnsinnigen Attentätern" des internationalen Terrorismus zu schützen.

Der Landesbischof wies darauf hin, dass das christliche Gottesbild unvereinbar sei mit der Vorstellung eines durch menschliche Taten bestechlichen Gottes. Gerade der Reformator Martin Luther habe die Kirche wieder daran erinnert, dass Gott sich nicht nach Lohn und Strafe, Belohnung und Vergeltung richte, sondern die Menschen aus Gnade annehme. Im Blick auf andere religiöse Vorstellungen betonte der Landesbischof, dass Gottes Liebe nicht erkauft werden könne durch "ein heiligmäßiges Leben, eine geldeswerte Versöhnungsleistung oder gar das todbringende Selbstopfer". Gott sei kein "manipulierbarer Hampelmann", so Friedrich.

Die Predigt des Landesbischofs kann im Wortlaut abgerufen werden bei der Pressestelle der Landeskirche:
Tel. 089 / 55 95 - 552 oder per E-mail: poep@elkb.de.

Dieter Breit, Kirchenrat
Pressesprecher der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

31.10.01


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