Pressemitteilung vom 27.11.2003
Bayerische Landeskirche zur Praxis Pränataler Diagnostik und zur Durchführung von Spätabtreibungen: Druck auf schwangere Frauen befürchtet, bessere Beratung gefordert.
Bad Reichenhall/München. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) fordert eine bessere Beratungspraxis vor und nach pränataler Diagnostik. Schwangere Frauen, so die Stellungnahme, haben ein Recht auf kostenfreie qualifizierte Beratung, in deren Rahmen Für und Wider einer vorgeburtlichen genetischen Diagnostik, die Risiken einer Untersuchung und die Bedeutung eines auffälligen Befundes für die Betroffenen zur Sprache kommen.
Grundlage für die Stellungnahme "Ja zum Leben", die bei der Tagung der Landessynode der ELKB in Bad Reichenhall veröffentlicht wurde, ist die Einsicht, dass menschliches Leben von Gott gegeben und in jeder Phase zu schützen ist. "Jeder Schwangerschaftsabbruch ist Tötung menschlichen Lebens."
Die Pflicht zur Beratung dürfe jedoch nicht allein der schwangeren Frau aufgebürdet werden. Gefordert wird daher, Ärzte und Kliniken in die Pflicht zu nehmen, über das Angebot umfassender Beratung - dazu sollen neben der medizinischen und genetischen auch eine ergebnisoffene und kostenfreie psychosoziale Beratung gehören - zu informieren und der Schwangeren zu raten, diese Beratung anzunehmen. In der Beratung müsse deutlich werden, dass das Leben mit einem behinderten Kind eine Bereicherung sein kann.
Die Information über das Beratungsangebot sollte "adressatengerecht", "in leicht verständlicher Weise" und nach Möglichkeit in örtlicher Nähe zur diagnostischen Einrichtung erfolgen. Psychosoziale Beratung müsse zudem institutionell unabhängig von der Einrichtung geschehen, an der die diagnostische Maßnahme oder der Schwangerschaftsabbruch vorgenommen wird. Um dies zu gewährleisten, sollten die vorhandenen Beratungseinrichtungen Außenstellen in Nähe der diagnostischen Zentren einrichten. Die entsprechenden Beratungsstellen der Diakonie sind nach ihren Möglichkeiten bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.
Anlass für diese Stellungnahme ist die Befürchtung, dass mit der routinemäßigen Anwendung verfeinerter pränataldiagnostischer Verfahren der Druck auf schwangere Frauen zunimmt, der Gesellschaft keine kranken oder behinderten Kinder zuzumuten. Die Humanität einer Gesellschaft jedoch zeige sich darin, dass sie die unantastbare Würde menschlichen Lebens unabhängig von Entwicklungsstand und Fähigkeiten achte und schütze und damit individuelles Leben unabhängig von seiner Beschaffenheit gelten dürfe. Deshalb sei die Frage für oder gegen Fortsetzung einer Schwangerschaft bei einer zu erwartenden Erkrankung oder Behinderung des Kindes nicht allein Problem der betroffenen Frau oder des betroffenen Paares, sondern rufe die gesamte Gesellschaft in Verantwortung.
Verantwortlicher Umgang mit Pränataldiagnostik und Beratung bei Pränataldiagnostik setzten für evangelische Christinnen und Christen das Bekenntnis voraus, dass jeder Mensch Geschöpf und Ebenbild Gottes ist. Von Gott her ist jedem Menschen Würde zugesprochen, die es ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt menschlichen Werdens zu schützen gilt.
Den vollen Wortlaut der Stellungnahme erhalten Redaktionen über die Pressestelle der ELKB oder als Download im Internet unter www.bayern-evangelisch.de.
Andrea Seidel, Kirchenrätin
Pressesprecherin
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
27.11.2003

