Pressemitteilung vom 27.02.2007

Wunsiedel und Gräfenberg im Erfahrungsaustausch gegen rechtsextreme Aktivitäten
In Franken sind nur die Bratwürste braun

Die vom „Bayerischen Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“ Anfang Februar eingerichtete Projektstelle gegen Rechtsextremismus kann erste Erfolge verzeichnen: Gestern traf sich im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Alexandersbad eine Delegation aus Gräfenberg mit Vertretern der Wunsiedler Bürgerinitiative. Ziel des Treffens war ein intensiver Erfahrungsaustausch in Hinblick auf rechtsextreme Aktivitäten und Gegenbewegungen in beiden Kommunen. Während es Wunsiedel dank starker bürgerlicher und politischer Offensive fertig gebracht hat, den jährlichen Rudolf Hess-Gedenkmarsch vieler Tausend Neonazis bereits zwei Jahre hintereinander von der Stadt fern zu halten, steht Gräfenberg am Anfang der Herausforderung. Die kleine Stadt in der fränkischen Schweiz wird seit 1999 jährlich mit Novemberaufmärschen rechtsextremer Gruppierungen konfrontiert; im vergangenen November kündetet die NPD monatliche Aufmärsche am Kriegerdenkmal des Ortes an. Das neu entstandene Bürgerforum zeigt nun in ideenreichen Aktionen den Widerstand der Bevölkerung gegen den braunen Spuk.

Um Strategien, Argumente, Motivationshilfen und Rechtsfragen drehten sich die ausgiebigen Gespräche der insgesamt 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonderes Interesse zeigten die Gräfenberger am so genannten Wunsiedler Weg, also dem offenen Umgang mit der Vergangenheit, der stark verbreiteten Zivilcourage und vor allem der Einbindung von Kirchen und Jugendgruppen in die demokratische Bewegung. Auch die Gestaltung der Zusammenarbeit mit Vereinen, der Polizei, den Medien und Antifa-Gruppen wurde an diesem Abend ausgiebig diskutiert.

„Diese Gespräche sind sehr befruchtend, die Wunsiedler Erfahrungen sind uns wichtig und wertvoll“, erklärte Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf. Gerade bei der Einschätzung im Umgang mit Rechtsextremisten sei ein Austausch zwischen den Gemeinden entscheidend. „Wir stehen mit diesem Problem nicht alleine da, das motiviert uns sehr.“ Dass betroffene Kommunen bayernweit miteinander in Kontakt und Gespräch kämen, sei eine wahre Kostbarkeit, von der jeder profitiere. Und auch Wunsiedels zweiter Bürgermeister Matthias Popp lobte die gewichtige Venetzungsarbeit, die an diesem Tag beim Zusammentreffen mit den engagierten Gräfenbergern einen guten Anfang genommen habe: „Rechtsextremismus ist ein Thema, das unsere Gesellschaft herausfordert – und auf das wir eine Antwort finden müssen und werden.“ Wunsiedel geht dabei als Symbolort der demokratischen Wehrhaftigkeit mit gutem Beispiel voran. Dieses positive Image führt zu einem überregionalen Interesse, auch in Zukunft werden die Anfragen betroffener Gemeinden nicht abreißen. Die neu eingerichtete Projektstelle gegen Rechtsextremismus hat daher unter anderem die Aufgabe, einen solchen Erfahrungsaustausch zu organisieren und zu koordinieren.

Nähere Informationen erhalten Sie bei:

Dipl.-Germ. Simone Richter
Projektstelle gegen Rechtsextremismus
Geschäftsführung Bay. Bündnis für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde schützen
 
Ev. Bildungs- und Tagungszentrum
Markgrafenstraße 34
95680 Bad Alexandersbad
Tel. 09232/9939-23
Fax 09232/9939-99
Email: richter@ebz-alexandersbad.de

Johannes Minkus, Pressesprecher
München, 27. Februar 2007


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