Pressemitteilung vom 27.02.2007
Landesbischof Dr. Johannes Friedrich eröffnet Kongress „Chancen schaffen – Verantwortung wahrnehmen“ in Fürth
Besuch einer Kinderkrippe kann großer sozialer Gewinn sein
„Bei der Struktur heutiger Kleinfamilien“, so Landesbischof Dr. Johannes Friedrich heute in Fürth bei der Eröffnung des Kongresses des ‚Bayerischen Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen und Tagepflege für Kinder’, „kann es für ein Kind ein großer sozialer Gewinn sein, stundenweise mit anderen Kindern zusammen spielen zu dürfen.“
Kritisch äußerte sich Friedrich zu Äußerungen mancher Kirchenvertreter, die „meinen, den pädagogischen Durchblick zu haben, der ihnen sagt, dass Kinderkrippen nur einer sozialistischen Ideologie entspringen können. Sie wissen offenkundig aber nicht, dass es für viele Mütter, nicht nur Alleinerziehende, die einzige Möglichkeit ist, ihrem Kind wichtige Lernerfahrungen zu ermöglichen, wenn dieses Kind in eine Krippe gehen und die Mutter berufstätig sein kann.“
Die PISA-Studien hätten gezeigt, dass frühkindlicher Bildung und Erziehung hohe Priorität eingeräumt werden müsse. Der hohe Wert frühkindlicher Bildung habe sich erst in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Friedrich berichtete, dass er selbst keinen Kindergarten besucht habe. Für seine Eltern hätte sich diese Frage nicht gestellt. „Kindergarten – das war etwas für Familien, wo beide Eltern arbeiten mussten“. Erst später habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass es auch für Kinder aus „intakten Familien“ besser sein könne, eine Kindertagesstätte zu besuchen: „Meine beiden Töchter waren demzufolge vom dritten Lebensalter an in einem Kindergarten.“
Ein Umlernen sei heute in Bezug auf Kinderkrippen nötig, so Friedrich. Er selbst habe gelernt, dass die Erziehung in einer gut geführten Krippe Gaben und Begabungen freisetze und soziale Kompetenzen schule, „die die Eltern eines alleinigen oder einzigen Kindes schwerlich freisetzen können.“
Im Blick auf die aktuelle Diskussion merkte Friedrich an: „Eine unqualifizierte Abwertung der Krippenarbeit, die für Frauen, die ihr Kind in eine Kinderkrippe geben, Worte wie „Gebärmaschine“ benutzt, hilft da nicht weiter und ist allenfalls als Medienspektakel tauglich.“
Noch einmal brachte Landesbischof Friedrich die Idee eines für die Eltern kostenfreien letzen Kindergartenjahres ins Spiel. „Hier bestünde eine gute Möglichkeit, Sprachdefizite noch vor der Einschulung auszugleichen.“ Gerade für Kinder aus bildungsfernen Familien, so Friedrich, sei eine frühzeitige Förderung der Schlüssel zu einer größeren Chancengerechtigkeit.
Johannes Minkus, Pressesprecher
München, 27. Februar 2007

