Pressemitteilung vom 23.11.2004
Sehr geehrte Frau Präsidentin, hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder,
"die Kirche soll sich doch endlich wieder auf ihr Kerngeschäft besinnen!" so höre ich es oft. Damit ist meist gemeint, dass die Kirche sich augenscheinlich nur noch mit Strukturen und Finanzen beschäftige. An erster Stelle, so die Kritik, müsse aber doch die Verbreitung des Evangeliums stehen, die gute Nachricht von der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus. Genau so ist es. Es ist wohl keiner hier im Raum, der dieser Priorität nicht vorbehaltlos zustimmen könnte. Selbstverständlich ist es unsere erste Aufgabe und Christenpflicht, "von Gott in der Welt zu reden", wie die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) schon 1999 formuliert. Um nichts anderes kann es gehen. Es ist uns auch nie um etwas anderes gegangen. Unser ganzes Ringen um Finanzen und Strukturen hat ja genau das zum Ziel, möglichst optimale Bedingungen für die Kommunikation des Evangeliums zu schaffen. Dass es dabei auch um Strukturen und Finanzen gehen muss, ist offensichtlich. Dass die Diskussion von Strukturen und Finanzen dabei aber immer nur dienende Funktion haben kann, kommt in der Außenwahrnehmung offenbar zu kurz. Darum will ich meinen Bericht heute ganz dem Thema widmen, das ich für unsere Kirche für wesentlich halte: der Kommunikation des Evangeliums oder, traditionell gesprochen: der Mission. Der Begriff "Mission" war in unserer Kirche nicht immer positiv belegt. Oft wurde Mission mit dem Überfall imperialistischer Großmächte und der gewaltsamen Inkulturation von besetzten Gebieten gleichgesetzt - ein Missionsbegriff, der uns heute erschaudern und bußfertig werden lässt. Wir haben daher heute die Aufgabe, dem Begriff Mission wieder zu seiner ursprünglichen positiven Bedeutung zu verhelfen. Mission heißt wörtlich übersetzt: "Geschickt sein", und genau so will ich Mission im doppelten Wortsinn verstehen. Wir sind als Christinnen und Christen geschickt in die Welt, um Menschen geschickt für den christlichen Glauben zu gewinnen. Nicht, um uns selbst zu bereichern, sondern um den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes nahe zu bringen. Dieser Aspekt, verehrte Synodale, ist mir außerordentlich wichtig: Es geht bei der Mission weder darum, die Kirche zu sanieren noch darum, die Gottesdienststatistiken nach oben zu schrauben. Sondern es geht einzig und alleine darum, das Evangelium in die Welt zu tragen, so wie es uns im Taufbefehl am Ende des Matthäus-Evangeliums aufgetragen ist (vgl. Mt 28,20). Die EKD-Synode in Leipzig hat 1999 darum in ihrer Kundgebung ein Signal setzen wollen, das folgendermaßen formuliert war: "Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle… Es hat eine Zeit gegeben, in der es den Anschein haben konnte, als sei die missionarische Orientierung das Markenzeichen nur einer einzelnen Strömung in unserer Kirche. Heute sagen wir gemeinsam: Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden sind unsere vordringliche Aufgabe, an dieser Stelle müssen die Kräfte konzentriert werden" . Den letzten Satz will ich unterstreichen: Unsere Kräfte müssen dort konzentriert werden, wo es um die Weitergabe des Glaubens geht. Denn wir sind "Botschafter an Christi statt" (2 Kor 5,20), wie es im 2. Brief des Paulus an die Korinther heißt. Die Weitergabe der Botschaft von der Liebe Gottes wird aber nur dann gelingen, wenn wir selbst auch etwas von der guten Nachricht ausstrahlen, die wir vermitteln wollen. Das meine ich damit, wenn ich sage, wir müssen sie geschickt weitergeben. Nicht raffiniert, nicht mit Tricks, sondern glaubwürdig. Und schließlich wird die Weitergabe der Botschaft erst dann glaubwürdig, wenn wir sie auch in den alltäglichen Fragen von Politik und Gesellschaft nachhaltig vertreten, wenn wir unsere christlichen Werte offensiv und deutlich als für diese Gesellschaft wichtige und hilfreiche Werte verdeutlichen. Und so gliedere ich meinen Bericht unter der Überschrift "So sind wir nun Botschafter an Christi statt" in die folgenden drei Teile:
- Die Botschaft selbst leben
- Die Botschaft anderen weitergeben
- Die Botschaft in der Welt glaubwürdig vertreten
Ausführlicher Bericht (pdf, 25 Seiten)
23.11.2004

