Pressemitteilung vom 21.01.2005

M ü n c h e n. Zwei drängende gesellschaftliche Probleme standen bei einem Treffen des DGB Bayern und des Landeskirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern im Mittelpunkt der Gespräche: die immer weiter um sich greifende Sonntagsarbeit sowie der Besorgnis erregende
Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. In der Einschätzung der Lage wie auch bei konkreten Forderungen und Perspektiven stellten Kirchenvertreter und Gewerkschafter große Übereinstimmung fest und vereinbarten eine noch engere Zusammenarbeit.

Fritz Schösser, Vorsitzender des DGB Bayern, und Landesbischof Johannes Friedrich stellten übereinstimmend fest, dass trotz des gesetzlich geregelten Sonntagsschutzes immer häufiger Unternehmen auch ohne zwingende Gründe Sonntagsarbeit in ihren Betrieben in Bayern durchsetzen möchten. Durch entstehende Wettbewerbsverzerrungen sähen sich immer mehr Betriebe einer Branche gezwungen, Sonntagsarbeit zu beantragen, so Schösser. In einigen Fällen werde Sonntagsarbeit in Unternehmen sogar ohne Genehmigung der Gewerbeaufsichtsämter eingeführt. Dieser Entwicklung müsse ein Riegel vorgeschoben werden. Die Kirchenvertreter und Gewerkschafter erneuerten deshalb ihre Forderung an die Bayerische Staatsregierung, die Sonntagarbeit wirksamer als bisher auf die unbedingt notwendigen Fälle zu
beschränken und gegen Sonntagsarbeit in Betrieben ohne gesetzliche Grundlage und Genehmigung konsequenter vorzugehen.

Landesbischof Friedrich: Staatsregierung muss Wort halten
Landesbischof Friedrich hob hervor: „Der Sonntag ist für alle Menschen in Bayern ein Tag der religiösen Besinnung und der Erholung vom immer härter werdenden Arbeitsalltag. Der Schutz des Sonntags ist gesetzlich eindeutig geregelt, und ich bin dankbar, dass es dazu auch klare Aussagen der Bayerischen Staatsregierung gibt. Den Worten müssen aber auch die entsprechenden Taten folgen. Eine schleichende Aufweichung des Sonntagsschutzes hätte für unsere Gesellschaft schlimme Folgen - gesundheitlich und seelisch.“

DGB-Chef Schösser: Auch Marktsonntage schaden dem Sonntag
Fritz Schösser, DGB Vorsitzender Bayern, unterstrich: „Kirchen und Gewerkschaften müssen gemeinsam dem verstärkten Druck der Wirtschaft standhalten, den Sonntag zum Regelarbeitstag zu machen. Das gilt sowohl für die Arbeit in Betrieben, als auch für die derzeit diskutierte Regelung von Ladenschlusszeiten allein durch die einzelnen Bundesländer und die so genannten verkaufsoffenen Marktsonntage in den ländlichen Gebieten Bayerns.“

Gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit
Friedrich und Schösser betonten einmütig, die soziale Frage der Jugend sei die entscheidende Frage für die Zukunft unserer Gesellschaft. Es gelte die immer größer werdende Spaltung in der Gesellschaft zwischen Arm und Reich auch in Bayern ökonomisch wie bildungspolitisch zu überwinden und eine drohende Armutsfalle gerade für Jugendliche abzuwenden. Der bayerische DGB-Vorsitzende: „Die Weichenstellungen für eine Zukunft mit Perspektive oder ohne entscheiden sich schon in der frühen Jugend und werden durch eine falsche, sparwütige Politik immer mehr gefestigt. Das können wir nicht so hinnehmen.“ Landesbischof Friedrich hat das Thema Jugend als seinen Jahresschwerpunkt gewählt: „Dabei werde ich der
Jugendarbeitslosigkeit besonderes Augenmerk widmen.“
Friedrich gab dem Wunsch der Kirchenleitung Ausdruck, auch in diesem Bereich in engen Beratungen den´Kontakt zwischen Kirche und Gewerkschaft auszubauen. Auch DGB-Vorsitzender Schösser bekräftigte den Willen der Gewerkschaften zu regem Austausch.

Markus Hepp
Pressesprecher, Ev.-Luth. Kirche in Bayern    

Ralf Mattes
Pressesprecher, DGB Bayern


Ende des Inhalts. Um zur Navigation zu springen drücken Sie