Pressemitteilung vom 20.11.2002
"…wer sich selbst erhöht…"
Landesbischof Dr. Johannes Friedrich rief in der Predigt am Buß- und Bettag zur inneren Einkehr und zur ehrlichen ungeschönten Rechenschaft auf
München. Im Festgottesdienst am Buß- und Bettag in der Münchner St. Matthäuskirche hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich zum Innehalten und zur Auseinandersetzung jedes einzelnen mit sich selbst aufgerufen. In seiner Predigt zum Gleichnis des Pharisäers und des Zöllners mit dem bekannten Bibelvers "Denn wer sich selbst erhöhte, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden (Lukas 18, 14) erinnerte er daran, wie wichtig es sei, Klarheit über sich selbst zu gewinnen: "Der Buß- und Bettag ist ein Angebot, eine Gelegenheit, über uns selbst nachzudenken und der Versuchung zu entkommen, sich selbst zu erhöhen, sich ein falsches Bild von sich selbst zu machen", so der Landesbischof.
Der Buß- und Bettag sei aber nicht nur ein Tag der individuellen Buße sondern auch der gemeinsamen Besinnung auf die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens. Friedrich sprach hierbei insbesondere Politiker an, über ihre Verantwortung für Staat und Gesellschaft nachzudenken: "Die Politiker der Berliner Regierungsparteien sollten sich ehrlich selbst Rechenschaft geben, ob sie die unangenehmen Wahrheiten über die bundesdeutsche Finanzlage nicht schon vor der Bundestagswahl hätten wissen können. Befürworter eines Militärschlags gegen den Irak sollten sich selbst Rechenschaft geben, ob nicht andere Motive mitspielen als nur die Prävention gegen Terror. Befürworter der Präimplantationsdiagnostik sollten sich selbst Rechenschaft geben, ob nicht eher egoistische Motive für sie bestimmend sind: dass man sich selbst ein behindertes Kinde nicht antut. Verständnisvolle Fürsprecher der Palästinenser sollten sich selbst Rechenschaft geben, ob nicht negatives Denken über Juden erkenntnisleitendes Motiv ist."
Das Geschenk des Buß- und Bettages für alle sei die Annahme, die in der Vergebung empfangen wird: "Du bist mir recht, dich nehme ich an, obwohl du nicht perfekt bist. Das ist Gottes Botschaft an die, die ehrlich innere Einkehr halten und ihr eigenes Versagen, ihr Schuld und ihre eigene Gottlosigkeit erkennen", so der Landesbischof.
Andrea Stocker, Kirchenrätin
Pressesprecherin
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
20.11.2002

