Pressemitteilung vom 20.01.2006

Kreuzkirche Schwabing: Themenpredigt von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich im Rahmen der Kampagne „Verstehen Sie Alzheimer?“
Problem Demenz als „Spitze eines Eisbergs“

„Nur wenn wir besser verstehen, was ein Leben mit Demenz, mit Alzheimer bedeutet, werden wir mehr Verständnis für die Menschen aufbringen, die in diese so sehr andere Welt hinübergewechselt sind,“ betonte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich in seiner Predigt im Rahmen der Kampagne „Verstehen Sie Alzheimer?“ in der Schwabinger Kreuzkirche. Die Tendenz, dass nicht nur Alzheimer und andere Formen der Demenz als eine Krankheit im Alter gesehen, sondern „das Alter selbst als die eigentliche Krankheit betrachtet“ werde, verstärke sich immer mehr, so Friedrich. Damit sei der Umgang mit den dementiell erkrankten Menschen nur „die Spitze eines Eisbergs“.

Er begrüße deshalb ausdrücklich die aktuelle Kampagne, an der die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) mit ihrer Koordinationsstelle für Medizinethik am Universitätsinstitut Technik – Theologie – Naturwissenschaften (TTN) als einem der Partner beteiligt ist. Die beiden anderen Partner
sind die Stadt München und die Alzheimer Gesellschaft München.

Mit Blick auf die an diesem Sonntag in der Kreuzkirche eröffnete Fotoausstellung „Alive with Alzheimer’s – Alzheimer und Lebensqualität“ mit Bildern von Cathy Stein Greenblat las der Landesbischof die Verse 5 bis 12 aus dem Psalm 139, in denen von der Hand Gottes die Rede ist, die da sei, ohne dass der Mensch sie zu begreifen brauche. Hände, so Friedrich, spielten ja beim Umgang mit Demenzkranken oft eine große Rolle, weil durch eine Berührung, ein Streicheln die Menschen immer noch ansprechbar, berührbar seien. Auf vielen der Bilder könne man dies sehen. Der Landesbischof
forderte politischen und vor allem finanziellen Einsatz für Betroffene und deren Angehörige, denn „Cathy Greenblats Bilder können uns zeigen, dass – wenn der gesellschaftliche Wille dafür da ist – zumindest objektiv niemand verloren und unbeachtet durch anonyme Gänge irren muss.“

Die Ausstellung basiert auf Fotografien aus dem gleichnamigen Buch der Amerikanerin, das u. a. von Heiner Aldebert von der Koordinationsstelle für Medizinethik der ELKB übersetzt wurde. Weitere Informationen zur Kampagne unter
www.verstehen-sie-alzheimer.de.

Die ELKB engagiert sich aktuell mit mehreren Veröffentlichungen zum Thema Alzheimer. Unter dem Titel „Jenseits der Freiheit“ erschien soeben eine Arbeitshilfe für das Gymnasium und andere weiterführende Schulen zum Thema Demenz (Gymnasialpädagogische Materialstelle der ELKB). Eine weitere Arbeitshilfe für Grund- und Hauptschulen mit dem Titel „Oma lebt in einer anderen Welt“ ist derzeit am Religionspädagogischen Zentrum der ELKB in Heilsbronn in Arbeit. Eine theologische Handreichung zum Thema ist ebenfalls in Arbeit und wird auf der Frühjahrstagung der Landessynode Ende März in Bad Alexandersbad vorgestellt werden.

Susanne Hassen, Pressesprecherin
München, den 20. Januar 2006

Den Volltext der Predigt können Sie anfordern über poep@elkb.de.


Ende des Inhalts. Um zur Navigation zu springen drücken Sie