Pressemitteilung vom 05.04.2007
Karfreitags- und Osterpredigten der Regionalbischöfe der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Karfreitag:
Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, Regensburg
Der gehorsame Weg Jesu ans Kreuz sei ein Beweis für seine große Liebe zu den Menschen, so Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss am Karfreitag in der Regensburger Neupfarrkirche. Gott habe dem Menschen Grenzen der Machbarkeit gesetzt. In diesem Zusammenhang wandte sich Weiss scharf gegen jede Form von aktiver Sterbehilfe. Gerade Erfahrungen aus deutschen Sterbehospizen hätten gezeigt, dass Menschen, die zunächst um Sterbehilfe gebeten hatten, nach einigen Tagen in einem Hospiz diesen Wunsch nicht mehr äußerten. Denn das Erlebnis von menschlicher Nähe und Zuwendung und die Behandlung gegen Schmerzen gäben den Kranken Kraft, ohne Angst dem Sterben entgegenzusehen. Weiss: „Das zeigt doch, wie entscheidend es ist, im Leben und im Sterben einen in der Nähe zu haben, der mich nicht allein lässt.“ Weil Christen von Gott nie allein gelassen würden, hätten sie die Kraft, anderen Menschen in Leid und Not beizustehen, so Weiss.
Regionalbischof Dr. Ernst Öffner, Augsburg
In seiner Karfreitagspredigt in der Augsburger Heilig-Kreuz-Kirche hat Regionalbischof Dr. Ernst Öffner darauf hingewiesen, dass nur das Christentum sich zu einem Gott bekennt, der selber bereit ist, aus Mitleid zu leiden. Der Gekreuzigte sei ein heilsames Gegenbild zu der gesellschaftlichen Lebensphilosophie, die Schönheit und Gesundheit über alles stelle. "Seit ich als Pfarrer an Sterbebetten war, an Unfallstellen mit Toten, seither verstehe ich besser, warum dieser Gekreuzigte wichtig ist für uns", gab der Regionalbischof persönliche Erfahrungen weiter. Allerdings, so räumte Öffner ein, habe das Bild des Gekreuzigten in der Geschichte des Christentums nicht nur Mitleid und Trost hervorgebracht. Besonders gegenüber den Juden müssten Christen ihre Schuld eingestehen, weil sie die Juden für den Tod Jesu Christi verantwortlich gemacht hätten.
An der unheilvollen Geschichte der Judenverfolgung bis zu Pogromen und millionenfachem Mord hätten Christen deshalb ihren Schuldanteil.
"Das haben wir Christen gerade am Karfreitag zu bekennen", so der Regionalbischof. Dankbar zeigte sich Öffner deswegen für ein persönliches Zeichen von Landesrabbiner Brandt. Dieser hatte ihn im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit" in die Augsburger Synagoge eingeladen und ihn ausdrücklich ermutigt, das Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens offen zu tragen. "Das war eine Geste der Versöhnung – über Gräber hinweg – für die ich von Herzen dankbar bin", so Öffner.
Regionalbischof Dr. Stefan Ark Nitsche, Nürnberg
In seiner Predigt in den beiden Karfreitagsgottesdiensten in der Nürnberger St. Lorenzkirche sprach Regionalbischof Dr. Stefan Ark Nitsche über das Paradox des Karfreitagsgeschehens, das einerseits zu Hohn und Spott herausfordere, aber andrerseits staunen lasse über einen Gott, der seine Macht an Orten wie einer Futterkrippe oder einem Kreuz zeige. Seit Beginn des Christentums sei das Kreuz den Kritikern als Torheit und den Interessierten als Herausforderung erschienen. Das Kreuz Jesu stehe auch heute noch quer zu vielen menschlichen Gottesvorstellungen, so Nitsche.
Regionalbischof Helmut Völkel, Ansbach-Würzburg
Durch seine Hingabe am Kreuz habe Jesus eine Brücke gebaut zwischen Gott und Menschen, so Regionalbischof Helmut Völkel in seiner Predigt zum Karfreitag in der Ansbacher St. Gumbertuskirche. Auch wenn der Tod Jesu am Kreuz schon damals „für die Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“ war, so sei für Christen das Kreuz zum Zeichen von Heil und Hoffnung geworden. Da so für unsere eigene Erlösung gesorgt sei, könnten wir unter dem Kreuz Kraft schöpfen, „und uns im Rahmen unserer Möglichkeiten auf das Leiden der anderen einlassen“. Mitleid sei möglich, so Völkel, aber es sei wichtig zu sehen, dass jeder Mensch „zur eigenen Lebenslast nur eine begrenzte zusätzliche Last“ mittragen könne. Mitleid sei möglich, dabei sei gerade die „leise, ehrliche und unaufdringliche“ Anteilnahme besonders geschätzt, so Völkel.
Ostersonntag:
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in der Münchner St. Lukas-Kirche
Der „zart-zärtliche Dialog“ zwischen Maria Magdalena und dem auferstandenen Christus stand im Mittelpunkt der Osterpredigt der Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in der St. Lukas Kirche in München. Maria erkenne den Auferstandenen erst, als dieser sie mit ihrem
Namen anspricht. Den eigenen Namen aus dem Mund eines anderen zu hören, so Breit-Keßler, mache unverwechselbar und einmalig, stelle Zeichen einer starken Verbundenheit dar. Der Anruf Gottes gelte jedem Menschen - ganz gleich, wie groß sein Kummer sei, welche Sorgen ihn quälten, wie stark oder wie schwach sein Glaube sei. „Gott sagt: Ich bin für dich da.“ Mit dieser österlichen Zusage, so Breit-Keßler, seien Menschen der Dunkelheit entrissen und „vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“ Ostern, so Breit-Keßler, sei die Gelegenheit, auch tote Beziehungen und Freundschaften wieder zum Leben zu erwecken. Wenn es glücke, andere nicht abzuschreiben und zu sagen, „die sind für mich gestorben“, wäre es öfter als einmal im Jahr Ostern.
Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss in der Regensburger Dreieinigkeitskirche
Der christliche Glaube besitze auch heute noch die Kraft, Menschen zu begeistern, so Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss in seiner Predigt am Ostersonntag in der Regensburger Dreieinigkeitskirche. Schließlich würden sich zur Zeit zwei Milliarden Menschen weltweit zum christlichen Glauben bekennen. Ganz zentral sei dabei die Hoffnung der Christen auf die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben. Entschieden widersprach Weiss theologischen Vorstellungen, welche die christlichen Zukunftshoffnungen als Phantastereien belächelten, die man der modernen Vernunft nicht zumuten könne. „Ich jedenfalls ärgere mich über solche Theologie“, so Weiss. Für ihn selbst sei Glaube immer mit Hoffnung verbunden: „Osterglaube - für mich die gespannte Neugier auf das, was kommt, weil Gott uns in Christus davon schon so viel gezeigt hat.“
Regionalbischof Helmut Völkel
Anlässlich der Weihe der neuen Orgel predigte Regionalbischof Helmut Völkel am Ostersonntag in der Stadtkirche Gunzenhausen. „Eine neue Orgel ist auch ein Zeugnis des Glaubens an Gott, der Hoffnung auf eine gute Zukunft und der Liebe zur Gemeinde. Wer eine neue Orgel wagt, weiß um die wichtige Schnittstelle von Kirche, Kunst und Kultur“ so Völkel. Die Königin der Instrumente helfe, die Osterfreude zu verkündigen. Ostern sei ein Aufbaumittel für den ganzen Menschen, betonte Völkel. „Ostern fördert die Widerstandskräfte unseres Glaubens. Unser christliches Selbstbewusstsein wird gestärkt. Wir lernen, uns nicht mit allem abzufinden, was uns oft zugemutet wird.“
Johannes Minkus, Pressesprecher
München, 5. April 2007

