Pressemitteilung vom 04.04.2007
Wort zum Karfreitag von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich
Kreuz als Provokation zur Nächstenliebe
In einem Wort zum Karfreitag betonte der Landesbischof der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern und Leitende Bischof der Vereinten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Dr. Johannes Friedrich, dass das Leiden und Sterben Jesu kein vermeidbares tragisches Ende eines guten Menschen gewesen sei, sondern Ausdruck der konsequenten Liebe Gottes zu den Menschen. „Weil Gott den Weg des Menschen ganz gehen wollte und weil zum Weg des Menschen Leiden und Sterben, Krankheit und Schmerzen gehören“, nahm Christus Schmerzen und Tod auf sich, um den Menschen auch in Not und Leid ganz nahe sein zu können, so Friedrich.
Das Kreuz Christi sei für Christen eine Provokation zur Nächsten- und Fernstenliebe. Friedrich rief dazu auf, sich liebevoll zuzuwenden „allen, die in unserer Gesellschaft keine Kraft mehr haben, die schwer erkrankt sind, die niedergedrückt leben ohne Hoffnung.“ Gerade alte und demente Menschen sehnten sich nach Nähe und Wärme. Gleichzeitig gelte es den Horizont zu öffnen für die globale Dimension der Nächstenliebe, so Friedrich, denn „seit wir global kommunizieren und wirtschaften, sind auch Menschen in fernen Ländern unsere Nächsten geworden.“
Doch das Sterben Jesu am Karfreitag könne man nur in Verbindung mit der Auferstehung Jesu von den Toten an Ostern richtig deuten. „Weil der Gekreuzigte der Auferstandene ist, darf ich auf Leben hoffen. Denn in meiner Todesstunde blickt Gott nicht auf meine Sünden, sondern auf Christus, der sie am Kreuz getragen hat.“ Damit verwies Friedrich auf die entlastende Funktion des Kreuzes Christi: „Das Kreuz ist nicht grausem, es ist Ausdruck der Seelsorge und Liebe Gottes. Ich weiß mich in meinen Schmerzen und meinem Leiden, in meiner Todesangst und in meiner Schuld bei Jesus Christus gut aufgehoben, der aus der Liebe Gottes heraus alles getragen hat.“
Informationen zum Karfreitag:
An Karfreitag gedenkt die christliche Kirche an den Tag der Kreuzigung Jesu auf dem Hügel Golgatha vor den Toren Jerusalems. Der Name stammt von dem althochdeutschen Wort „karen“ (wehklagen). Die Gottesdienste, die an diesem Tag gefeiert werden, stehen ganz im Zeichen der Trauer. Häufig wird gesagt, der Karfreitag sei der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche. Diese Einschätzung rührt daher, dass die Protestanten traditionell den Karfreitag als ganz besonderen Feiertag begehen. Doch wenn man überhaupt von einem „höchsten“ christlichen Fest sprechen will, dann ist das für die ganze Christenheit Ostern, die Feier der Auferweckung Jesu von den Toten.
Johannes Minkus, Pressesprecher
München, 4. April 2007

