Pressemitteilung vom 02.04.2005
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler bei der Münchener Demo gegen Neonazis
Bei jungen Menschen Lust an Vielfalt wecken
Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer und die Weiße Rose / Kritik an Gewalt in den Medien
München, 02. April 2005 – Gemeinsam mit anderen bedeutenden Vertretern von Kirche und Gesellschaft hat Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler an der Kundgebung teilgenommen, die am Samstag unter dem Motto „Wir überlassen München nicht den Neonazis!“ auf dem Münchener Marienplatz stattfand. In Ihrer Ansprache betonte die Geistliche: „Unser Protest gilt allen, die ein Menschenbild ohne Anstand und Demut propagieren.“
Breit-Keßler wies auch auf den Zusammenhang zwischen der schlimmen Gewaltbereitschaft vieler, für Rattenfänger anfälliger Jugendlicher und jenen Medienbeiträgen hin, „in denen Starkult und Gier nach Macht, Brutalität und sexuelle Gewalt als Normalität des Lebens zelebriert werden.“ Sie frage sich, so Breit-Keßler, „wie lange wir es uns als demokratische Gesellschaft noch leisten wollen und leisten können, dass unsere Grundwerte auf diese Weise konterkariert werden.“
Männlichkeitswahn der Neonazis ist „jämmerliches Gehabe“
Die Regionalbischöfin von München und Oberbayern, die auch Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs ist, warb dafür, jungen Menschen „ihren Platz in Kirche und Gesellschaft und Orientierung für ihr Leben“ zu bieten und ihnen so zu vermitteln „welche Lust es ist, auch in dieser Stadt in kultureller und nationaler Vielfalt zu leben“. Kritisch hinterfragte Breit-Keßler, ob es genüge, zu demonstrieren und klare Worte gegen Faschisten aller Couleur auszusprechen. Besonders appellierte sie an die Frauen, „jedem Männlichkeitswahn“ zu misstrauen, den sie als „jämmerliches Gehabe“ verurteilte.
Erinnerung an Widerstand hilft, aus der Schuld zu lernen
„Wirklich menschlich kann nur sein, wer Gefühlsarmut, Wichtigtuerei und Sündebockdenken nicht nötig hat“, zeigte sich Breit-Keßler überzeugt und nannte als leuchtende Beispiele dafür das Engagement Dietrich Bonhoeffers, dessen Ermordung sich am 9. April zum 60. Mal jährt, und der Weißen Rose. „Die Erinnerung an sie hilft, aus dieser Schuld zu lernen“, sagte die Regionalbischöfin mit Blick darauf, dass solch christlich motivierter Widerstand leider die Ausnahme bildete. „Nie wieder dürfen Christen dulden, wenn Leben und Menschenwürde mit Füßen getreten werden!“
Markus Hepp, Pressesprecher

