Pressemitteilung vom 02.04.2005

München, 02. April 2005 – Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich hat in einer ersten Reaktion auf den Tod von Johannes Paul II. die Verdienste des Papstes um die Ökumene sowie seinen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt gewürdigt. Der verstorbene Papst sei gerade zuletzt „in seiner ganzen Schwäche und Gebrochenheit des Leibes die vielleicht größte Gestalt unserer Tage“ gewesen, zeigte sich Friedrich beeindruckt von der Lebensleistung des aus Polen stammenden Geistlichen, der „die Weltkirche durch seine Person zusammengehalten hat“.
„Was in meinem Gedächtnis von ihm bleiben wird, ist das Charisma des Nachfolgers Jesu Christi im Leiden, des mächtigen Weltbischofs in seiner Gebrechlichkeit, der ganz von Jesus Christus her lebte“, schrieb Friedrich in einem Kondolenzschreiben an den Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, in dem er den römisch-katholischen Christen seine Anteilnahme zum Tod ihres Oberhauptes ausdrückte.

Einsatz des Papstes für Fortschritt in der Ökumene gewürdigt
Friedrich, der Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist, erinnerte in einem Beitrag für den Rheinischen Merkur auch an den Einsatz des Papstes für das Zustandekommen der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die 1999 in Augsburg unterzeichnet worden war und laut Friedrich „den greifbarsten ökumenischen Fortschritt zwischen römischen Katholiken und Lutheranern darstellt“. Dafür habe sich Johannes Paul mit Nachdruck und Erfolg engagiert, ebenso, wie er mit Demut und der Bereitschaft, Schuld der Kirche einzugestehen, auf das Judentum zugegangen sei und auf diese Weise nachhaltig für Versöhnung gearbeitet habe. Der bayerische Landesbischof schrieb, wenn auch nicht vor dem Papstamt an sich, so umso mehr vor dem Menschen, der es innehatte, „verneige ich mich in Respekt und mit Dank für alle Impulse, die er zur Förderung der Einheit gesetzt hat“.

Kritik an konservativer Moral kann jetzt Würdigung der Lebensleistung nicht schmälern
Das Wirken dieses Papstes sei durchaus von Gegensätzen begleitet gewesen, so Friedrich weiter: „Einerseits war er modern und machte sich die zeitgemäßen Formen der Kommunikation zunutze. Auf der anderen Seite war sein Denken aufklärungskritisch, auf konservative Moral bedacht.“ Im Rückblick auf die Lebensleistung des Papstes stehe entsprechend beides nebeneinander, seine Reisetätigkeit und sein medienbewusstes Auftreten, aber auch ein kirchlicher Zentralismus, der in Fragen der Moral und der Disziplin den Ortskirchen wie auch kritischen Theologen wenig eigenen Spielraum gelassen habe. Friedrich betonte jedoch, dass alles, was evangelische Christen an Entscheidungen des Papstes durchaus kritisch sähen, in den Tagen seines Sterbens und besonders mit der Stunde seines Todes in den Hintergrund getreten sei. Gerade im Angesicht des Leidens und Sterbens des Papstes und im Blick auf die von Johannes Paul ausgestrahlte Spiritualität, sei er, so Friedrich, überzeugt: „Gott hat diesen Papst zum Zeugen Jesu Christi gemacht.“ 

Markus Hepp, Pressesprecher


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