Pressemitteilung vom 20.01.2004
"Band der Versöhnung stärker knüpfen"
Predigt des Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich im ökumenischen Gottesdienst zur Weltgebetsoktav 2004
München. Landesbischof Dr. Johannes Friedrich rief in seiner Predigt im ökumenischen Gottesdienst zur Weltgebetsoktav 2004 im Münchner Liebfrauendom Christinnen und Christen sowie die Kirchen auf, im Miteinander Signale des Friedens und der Versöhnung zu setzen.
"Die Zeiten, wo Kirchen ihr Profil in Abgrenzung gegen andere Kirchen geschärft haben, müssen der Vergangenheit angehören", so der Landesbischof. Jede Kirche habe ihren besonderen Aspekt, den sie einbringe und mit dem sie die Kirche Christi bereichere. Ein wichtiger Schritt dabei sei es, dass Christen, dass die Kirchen das Band der Versöhnung immer stärker knüpften. "An die Stelle des misstrauischen Blicks auf andere Kirchen muss der Blick auf Christus treten, der für uns am Kreuz gestorben ist und unsere Sünde in seiner Gerechtigkeit ertränkt hat. Dieser Blick bewahrt vor geistlichem Hochmut und vor Exklusivitätswahn." Friedrich schloss den Wunsch an, dass, "wenn uns die Anfechtung geistlichen Hochmuts und der Geringschätzung anderer Kirchen gefallen will, wir uns das Bild des gekreuzigten Christus vor Augen stellen, der uns unvollkommene Menschen mit sich versöhnte. Damit wir lernen, als Kirchen versöhnlicher miteinander umzugehen."
In Zeiten von internationalem Terrorismus, von Selbstmordattentätern und fanatisierter Religiosität sei es zudem unerlässlich, Signale des Friedens in der Welt, aber auch im Miteinander in der Gesellschaft zu setzen. Friedrich: "Für die Welt ist oft schon Abwesenheit von Krieg Frieden. Wenn der biblische Christus von "Frieden" spricht, meint er "Shalom", und das ist umfassender als Waffenstillstand und Ende von Gewalt." Shalom bedeute ein "Heil-sein", Gesundsein, schließe Vertrauen zwischen Menschen ein und Gerechtigkeit, Eins sein mit sich selbst und mit dem anderen." Dieser Shalom sei verwurzelt in der Liebe Gottes zu den Menschen. Da Frieden nicht das Gesetz dieser Welt sei, haben Christinnen und Christen und die Kirchen die Aufgabe, in der Kraft der Liebe Christi die Kultur des "Shalom" zu stärken.
Christinnen und Christen aus 17 christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Bayern feierten am 20. Januar im ökumenischen Gottesdienst im Dom zu München die weltweit begangene Gebetswoche für die Einheit der Christen. Der Gottesdienst wurde geleitet vom Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, vom Landsbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich und vom Probst des Sprengels Süd der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Klaus Peter Czwikla.
Die Idee zu gemeinsamen Gottesdiensten und zum Gebet für die Einheit der Christen entstand vor mehr als 100 Jahren. Der Anglikaner Paul Francis Wattson gründete 1899 eine "Versöhnungsgesellschaft" mit dem Ziel, die Einheit der Christen und den Frieden unter den Konfessionen zu fördern. Dieses Ziel sollte durch gemeinsame Gottesdienste angestrebt werden, die ganz bewusst ihren Platz im Festkalender des Kirchenjahres, nämlich zwischen dem 18. und 25. Januar, haben sollten. Der 18. Januar ist in der römischen Kirche das Fest der Stuhlfeier Petri, der 25. Januar wird in den westlichen und östlichen Kirchen als Tag der Bekehrung des Paulus begangen. So sollte der Gebetsgottesdienst eine Brücke sein von Petrus zu Paulus, die beide Grundprinzipien des christlichen Glaubens und des kirchlichen Selbstverständnisses verkörpern.
Die Predigt im Wortlaut erhalten Redaktionen über die Pressestelle der ELKB.
Andrea Seidel, Kirchenrätin
Pressesprecherin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
20.01.2004

