Pressemitteilung vom 30.01.2008
Jugendliche brauchen solide Bildung, keine soliden Gefängnisse!
Landesbischof Dr. Johannes Friedrich nennt Bildungsmangel als wesentlichen Grund der Jugendkriminalität
Die steigende Jugendkriminalität, so Landesbischof Dr. Johannes Friedrich heute beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie in Tutzing, sei weder ein Problem des Strafvollzugs, noch ein Ausländerproblem, sondern habe ihren Grund in Bildungsdefiziten: „Mangelnde Ausbildung macht hoffnungslos, mangelnde Sprachfähigkeit macht hilflos und provoziert so die Sprache der Gewalt. Eine solide Ausbildung für diese Jugendliche, egal ob Ausländer oder Deutsche, wäre daher sehr viel hilfreicher als der Bau solider Gefängnisse“, so Friedrich.
Viele Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern brächten bereits einen Startnachteil mit, dem entgegengesteuert werden müsse. Darum sei der Staat in der Pflicht, ausreichende Fördermöglichkeiten schon im frühesten Kindesalter zur Verfügung zu stellen, denn der Einstieg in die Schule könne nur gelingen, wenn „gewisse sprachliche und soziale Fähigkeiten vorhanden sind“. Die bayerische Landeskirche habe sich an dieser wichtigen Aufgabe nach Kräften beteiligt und den Kirchengemeinden, die neue Krippenplätze einrichten wollen, eine Million Euro Starthilfe zur Verfügung gestellt.
Weiter setzte sich Friedrich für eine Stärkung des Religionsunterrichts im schulischen Fächerkanon ein. Gerade an Hauptschulen sei der Religionsunterricht der Ort, an dem Jugendliche ihre existenziellen Fragen stellen könnten. Friedrich begrüßte die Initiative des Kultusministeriums „Werte machen stark – sich stark machen für Werte“, die den Religionsunterricht als besonders geeigneten Ort der Wertevermittlung benennt. Kontraproduktiv jedoch seien in diesem Zusammenhang Forderungen des bayerischen Oberrechnungshofes, aus Kostengründen auch im Religionsunterricht durch die Zusammenlegungen von Gruppen aus verschiedenen Klassen, manchmal sogar jahrgangsübergreifend, Klassengrößen von über 30 Schülern erreichen zu wollen.
Die Einführung islamischer Unterweisung an staatlichen Schulen in Erlangen, Nürnberg und München begrüßte Friedrich als wichtige Hilfe für viele Migrantenfamilien zur Wahrung ihrer kulturellen Identität. Wünschenswert sei jedoch ein ordentliches Unterrichtsfach „Islamischer Religionsunterricht“, da erst dann sichergestellt werden könne, dass sich das Lernen im Rahmen des Grundgesetzes vollzöge. Friedrich: „Eine aufgeklärte islamische Bildung für die nachwachsende Generation ist meiner festen Überzeugung nach eine ganz wesentliche Voraussetzung für eine gelingende Integration der muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unsere Gesellschaft.“
München, 30. Januar 2008
Johannes Minkus, Pressesprecher

