"Ich bin immer genau da, wo ich gerade bin"
Mit großen Augen guckt sie ihn an, ganz stumm ist sie dabei, aber das liegt in ihrer Natur: besonders gesprächig wird sie in diesem Leben nicht mehr werden. Dr. Johannes Friedrich wendet sie sanft hin und her, "die zieht ja eine Schnute", schmunzelt er. Dann setzt sich der Landesbischof die große Gummi-Ente auf die Schulter und strahlt mit seiner neuen Freundin in die Kamera. Das süße Schnabeltier ist das Maskottchen von www.konfiweb.de, dem Konfirmandenportal der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ElKB). Und dieses Tierchen mal kurz herzlich zu knuddeln, war für den Landesbischof schon ein Muss an diesem Nachmittag.
Hauptsächlich aber weilt Dr. Friedrich am späten Himmelfahrtsdonnerstag aus anderem Anlass auf dem Münchner Messegelände. Er will einen Spaziergang durch die Agora unternehmen, alle Infostände aller Kirchenkreise Bayerns besuchen, von Ansbach-Würzburg und Augsburg bis Bayreuth, von München und Nürnberg bis Regensburg. Auch der Infostand der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) steht auf dem Plan, ebenso wie der des Erzbistums Köln. Und das ist das Minimum an festem Programm. Stress! Aber der Landesbischof lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, ruht immer interessiert, konzentriert im Augenblick. "Ich bin immer genau da, wo ich gerade bin, ich denke nicht an später, da kann ruhig viel hintereinander kommen", lächelt er gelassen, wenn man ihn fragt, woher er eigentlich seine ÖKT-Dauerpower nimmt.
"Über die Kirche in die Gesellschaft hinausstrahlen"
Und die wird gerade auf der Agora von einem strengen Zeitplan eingezwängt, der überdies auch noch Raum für Spontaneität lassen will, wie Kirchenrat Rüdiger Glufke erklärt, der persönliche Assistent des Landesbischofs: "Zwischen unsere festen Ziele haben wir noch zusätzlichen Puffer eingebaut, so dass Dr. Friedrich sich überdies noch anderswo informieren kann." Zum Beispiel am Stand des Erzbistums München-Freising, zu dem Dr. Friedrich gerade spaziert, sich von einer Mitarbeiterin ein Lebkuchenherz an einer Kette um den Hals legen lässt, "die verteile ich hier, obwohl ich evangelisch bin", lächelt die Frau schüchtern. "Toll, das ist Ökumene!", entgegnet der Landesbischof begeistert.
Und dann fängt ihn sofort der Schatten ein, der zurzeit über der katholischen Kirche liegt. Aufmerksam liest er ein Infoheft zum Thema "Sexueller Missbrauch", das man ihm an dem Stand in die Hand reicht. "Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema über die Kirche in die Gesellschaft hinausstrahlt", sagt Dr. Friedrich - ein Wunsch, den man in diesen Tagen nicht oft und intensiv genug äußern kann. Und dann muss der Landesbischof auch schon wieder weiter, lächelnd auf seinem Weg durch das Agora-Gewühl. Atmosphäre schnuppern beim ÖKT - da wird ein Dr. Friedrich so schnell nicht müde.




