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Hoffnungsträger mit Humor

istockPhoto / Michael Flippo

Für die meisten Kinder sind Krankenhäuser oft weiße, kühle, Angst machende Orte. Manche Hospitäler in manchen Bundesländern versuchen etwas dagegen zu tun und kindliche Ängste vor dem Krankenhaus mit Humor und Herzlichkeit zu behandeln: durch den Einsatz so genannter Klinik-Clowns.

In Bayern wurde 1997 der Verein „KlinikClowns e.V.“, gegründet, mit Sitz seiner Zentrale in Freising: Der „Verein zur Förderung der Betreuung und Therapie kranker Menschen“ kooperiert mit verschiedenen bayrischen Kinderkrankenhäusern (auch Altenheimen) und schickt professionelle Schauspieler, Tänzer oder Musiker als Klinik-Clowns gezielt auf die Stationen: um den Alltag dort spaßig aufzulockern, die durch Krankheit umschattete Stimmung aufzuhellen, die kleinen Patienten für ein paar Stunden abzulenken.

Einer dieser Klinik-Clowns ist Petra Riffel, 41 (Foto links). Die gebürtige Österreicherin, die in Tessin in der italienischen Schweiz eine Ausbildung an einer Schauspielschule absolviert hat, stieß vor zwei Jahren zu den bayerischen „KlinikClowns“ und besucht seitdem unter anderem jeden Montagnachmittag die Garmisch-Partenkirchener „Rheumaklinik für Kinder und Jugendliche“ der Rummelsberger Anstalten, die Mitglied im Wohfahrtsverband Diakonisches Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) sind.

Seifenblasen pusten, ein Luftballontier basteln

In der „Rheumakinderklinik“ tritt Petra Riffel als „Dr. Luzi“ auf und sieht dabei auf den ersten Blick so stilecht aus wie ein Clown aus dem Zirkus: mit kugeliger, knallroter Pappnase im Gesicht, mit weißer Schminke um Augen und Mund und aufgemalten Apfelbäckchen. Doch die Arbeit als Klinik-Clown unterscheidet sich maßgeblich von der im Manegenrund, unterstreicht Riffel. „Wir haben zwar auch unsere Standards mit Jonglage, Pantomime, Musik. Aber wir müssen uns auf die immer neue Situation einstellen, die wir gerade in dem jeweiligen Zimmer vorfinden.“ Dabei gilt es, hochsensibel zu erspüren, in welcher Stimmung der kleine Patient gerade ist, „ihm anzusehen, was gerade Thema ist, denn wir bauen ihn immer mit ein in unser Spiel“. Hierin unterscheidet sich die Arbeit im Krankenhaus am deutlichsten vom Bühnenauftritt, bei dem ein Zirkusclown das Publikum, abgeschirmt hinter einer Wand aus gleißendem Scheinwerferlicht, nicht wahrnimmt. „Als Klinik-Clown spiele ich nicht vor, sondern mitten drin“, was sich für Petra Riffel persönlich „sehr gut“ anfühlt: „weil es ein Miteinander ist und ich die Möglichkeit habe, mit den Menschen gemeinsam etwas zu entwickeln“.

Am schönsten ist es natürlich, wenn die Kinder den Besuch der Klinik-Clowns schon freudig erwarten, Petra Riffel und ihre ,Arztkollegen' Alexander Strauss als „Dr. Willi Schmarrn“ sowie Sebastian Stenger als „Dr. Popo“ mit offenen Armen empfangen. Aber auch auf besonders Ängstliche stellen sich Dr. Luzi und Kollegen bei ihrer Witz-Visite mit sanfter Rücksicht ein. „Indem wir uns ganz klein machen, uns im wörtlichen Sinne auf die Körpergröße des Kindes herunter begeben oder einfach auch wieder aus dem Zimmer gehen, wenn wir merken, da begegnet uns ein Kind mit Misstrauen oder ist sich vielleicht einfach nur noch nicht so sicher, ob es uns begrüßen will. Oder das einfach noch ein bisschen abwarten will, einfach nur Zeit braucht, bis es sich an uns gewöhnt. Dann sagen wir, ,okay, wir stören jetzt nicht’, gehen aus dem Raum, machen die Tür aber vielleicht wieder ein Stückchen auf und pusten ein paar Seifenblasen ins Zimmer oder basteln ein Luftballontier auf dem Flur, das wir später nochmal vorbeibringen.“ Kinder, sagt die Clownin, sind das „ehrlichste Publikum, und ein Kind kann ich nur dann gewinnen, wenn ich akzeptiere, wie es ihm geht“.

„Der Clown ist derjenige, der fällt und wieder aufsteht“

Ebenso wichtig ist es, darauf zu achten, wie man selbst das Krankenhaus verkrafte. „Wenn mich die Situation gerade zu sehr mitnimmt, ist es vielleicht auch mal gut, kurz mal auf den Flur zu gehen, mir ein paar Minuten Auszeit zu nehmen, bevor ich weiterspiele. Um bei mir zu sein, als Voraussetzung dafür, dass ich anschließend authentisch bei den Kindern sein kann.“ Als Clown, der echt und berührend ist, dessen Komik nicht künstlich, aufgesetzt ist; die Rolle eines Clowns mit soviel Hingabe auszufüllen, ist Herzblutarbeit für Riffel, „ein Clown ist in meinen Augen ein religiöses Wesen. Ein Clown macht ständig Fehler, hat immer mit allem Möglichen Probleme, stolpert über seine eigenen Füße, fällt hin. Aber: ein Clown ist auch derjenige, der immer wieder aufsteht, der immer wieder weitermacht, das liegt in seiner Natur: Weil er ein ganz tiefes Vertrauen hat, dass der Moment gut ausgeht, dass es nach dem Hinfallen wieder bergauf geht – sonst würde er nicht weitermachen.“

Dies sei eine positive Grundhaltung, die man auch bei gläubigen, vertrauenden Menschen beobachten könne, sagt Petra Riffel. Ihre clownesken Künste präsentiert sie aus diesem Grund übrigens auch in kirchlichem Rahmen: Mit ihrem 70-minütigen Clownsolo und Abendprogramm für Erwachsene „Glaube, Liebe, Rotwein“ wird sie beim „2. Ökumenischen Kirchentag“ vom 12. bis 16. Mai 2010 in München dabei sein. Um den Besuchern des Kirchentags ein Stückchen Hoffnung zu schenken, das sich im Leben aus Sicht vieler Menschen erfolgreich versteckt – und für kleine Patienten im Klinikalltag einmal mehr schwer zu finden ist.

„Sich überraschen lassen vom Augenblick“

Vor allem, wenn die Kinder todkrank sind. Stefan Drücke, 43 (Foto links), der als Klinik-Clown die „Cnopf`sche Kinderklinik“ in Nürnberg besucht - ihr Träger ist die Diakonie Neuendettelsau, ebenfalls Mitglied im Diakonischen Werk - vertraut dabei auf den „Schutz der Maske“, den die närrische Überschminktheit ihm biete, sowie auch die „höhere Instanz des Narren“, der sich scheinbar so naiv durch die Welt bewegt, seine Unwissenheit aber mit viel Weisheit ein- und umsetzt. Dies alles trägt dazu bei, Drücke Kraft zu geben, nicht Gefahr zu laufen, eine „Betroffenheitswelt“ zu bedienen. Sondern die Impulse im Krankenhaus offen aufzusaugen, umzuwandeln in Spaß und Spiel.

Drücke ist in Heidelberg geboren und wohnt heute in Erlangen. Der ausgebildete Schauspieler ist seit anderthalb Jahren bei den Freisinger „KlinikClowns“, bei deren Einsätzen sich nie vorhersagen lasse, „wo es hinführt und wo es endet“. Weil „wir nicht mit vorgefertigten Nummern, nicht mit festen Vorsätzen arbeiten. Sondern ich mich als Clown traue, mich immer wieder überraschen zu lassen von der Lebendigkeit des Augenblicks. Würde ich da zu sehr auf gefassten Vorsätzen beharren, stünde ich mir nur selbst im Wege“.

Da kommt er uns fast philosophisch, der Clown. Aber eine Überlegung ist die Philosophie unbedingt wert.

Text: Almut Steinecke