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"Helfen und dienen mit all den Gaben und Fähigkeiten, die wir haben"

(c) iStockPhoto / Bruce Lonngren

Ist der Text des Chorals der dritten Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach eine Flucht aus der Realität? Oder ist er ein ganz bewusster Umgang mit Leid und Elend auf der Welt? Mit dieser Frage setzte sich Landesbischof Dr. Johannes Friedrich in seiner Predigt zur dritten Kantate des Bachschen Oratoriums in der Münchner St. Matthäuskirche am Montag, 27. Dezember, auseinander. Und wandte sie direkt an. "Eine Menge Menschen fragt sich, ob es Gott überhaupt geben kann, und wenn es ihn gibt, ob es denn wirklich ein guter, ein liebender Gott ist. Wie kann Gott das alles zulassen, dass unschuldige Kinder sterben, dass tausende von Menschen auf Haiiti obdachlos geworden sind durch das schreckliche Erdbeben vor einigen Monaten."

Wie könne Gott soviel Krankheit und Not zulassen? "Diese Frage, wie das Leiden in der Welt mit der Allmacht und der Güte Gottes vereinbar ist, diese sogenannte Theodizeefrage, beschäftigt die Menschen nicht erst seit Gottfried Wilhelm Leibniz, der diesen Begriff geprägt hat, sondern bereits seit der Antike", gestand der Landesbischof zu. Viele Menschen verzweifelten an dieser Frage, würden gar an ihr zerbrechen. "Doch Verzweiflung führt aus der Krise nicht heraus. Sie hilft auch nicht, die Situation besser zu meistern und wenigstens besser zu verstehen."

"Eine tief verwurzelte Gewissheit"

Eine Alternative wäre es, sich nicht einfach seinem Schicksal zu ergeben - die Hirten zur Zeit der Geburt Jesu hätten dies bestens vorgemacht. "Sie haben sich auf den Weg gemacht, um zu sehen, was im Stall in Bethlehem geschehen ist. Und vermutlich haben sie auch etwas von ihrer kärglichen Habe dem Jesuskind geschenkt", so Friedrich. Weil sie Glaubenszuversicht hatten, "eine tief verwurzelte Gewissheit, dass Gott ihr Leben schützend in Händen hält".

Wer sich traue, so zu vertrauen, der könne sich nach den Worten des Landesbischof "ruhig darauf einlassen, uns von Christus berufen zu lassen und unser Leben in seinen Dienst zu stellen". Und wer sich traue, so zu vertrauen, der könne den Titel der dritten Bach-Kantate inneres Programm sein lassen: "Seid froh dieweil!"

Lesen Sie hier die ganze Predigt von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich am 27. Dezember 2010 in St. Matthäus!