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Gottesdienst für die Toten von Winnenden: Ökumenische Gedenkfeier im Münchner Liebfrauendom

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben am Mittwoch, dem 18. März evangelische, griechisch-orthodoxe und katholische Christen im Münchner Liebfrauendom der Toten von Winnenden gedacht. Die Gedenkfeier unter dem Motto „Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!“ (Psalm 22) war von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und dem Erzbistum München und Freising vorbereitet worden. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom griechisch-orthodoxen Erzpriester Apostolos Malamoussis. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Capella Cathedralis unter der Leitung von Lucia Hilz sowie Domorganist Hans Leitner.

Prälat Beer: „Wir sind nicht alleine, weil Gott bei uns ist“
 
Prälat Peter Beer vom katholischen Erzbistum schlug in seiner Ansprache einen Bogen von der Geschichte Noachs und seiner Arche (1. Mose 8,6-11) zum Gedenken an die Toten von Winnenden und Wendlingen:

Die Erzählung von Noach „spiegelt im Bild der vernichtenden, endlosen Flut unsere gegenwärtigen Gefühle der Trauer, der Wut, der Bestürzung und Ratlosigkeit. Sie weitet aber auch den Blick auf eine mögliche Zukunft, in der die belastende, für manche wohl lebensbedrohlich empfundene Gegenwart nicht verleugnet, nicht einfach weggewischt oder schön geredet wird, sondern sich allmählich wandeln kann, so dass Leben wieder möglich wird.“

Als Zeichen der Hoffnung habe eine Taube dem Noach einen frischen Olivenzweig gebracht, so Beer: „Neben vielen anderen Zeichen ist es sicherlich das jetzt schon in diesem Gottesdienst Sicht- und Erfahrbare: Wir sind nicht alleine, weil Gott bei uns ist und weil wir für einander da sind. Ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens für uns.“

Kirchenrat Breit mahnt zu „Kultur der Achtsamkeit“

Kirchenrat Dieter Breit von der Evangelisch-lutherischen Kirche mahnte in der Gesellschaft eine „Kultur der Achtsamkeit“ an: „Jugendliche untereinander, Eltern gegenseitig und ihren Kindern gegenüber, Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte, Polizisten im sorgsamen Blick auf die, die ihnen anvertraut sind und mit denen sie zu tun haben.“

Breit erinnerte an den Satz des evangelischen Theologen Johann Christoph Blumhardt, Christen seien „Protestleute gegen den Tod und seine Helfershelfer“. Dieser Protest fange ganz früh an, etwa „dann, wenn man jedem Jugendlichen deutlich macht: Du bist unendlich wertvoll, bei Gott und den Menschen geliebt. Wir schätzen dich mit dem, was gerade dich ausmacht“. So könne es einem Menschen leichter fallen, sich anzunehmen und zu begreifen, dass Leben insgesamt, auch das Leben anderer, unendlich wertvoll sei.

16 Kerzen, 16 Rosen

Zum Gedenken an die Getöteten entzündeten Schüler und Lehrer des Pullacher Pater-Rupert-Mayer-Gymnasiums 15 Kerzen als Symbole des Lebens an der Osterkerze und stellten sie im Altarraum jeweils zu einer geknickten Rose. Kirchenrat Breit gedachte auch des Täters mit den Worten: „Allmächtiger Gott, du allein kennst das Herz jedes Menschen, und vor dir ist offenbar, was in ihm verborgen ist. So vertrauen wir deinem barmherzigen Gericht auch den Täter an.“ Prälat Beer entzündete anschließend für den Täter eine Kerze und stellte sie zu einer etwas abseits stehenden Rose.

An der Gedenkfeier nahmen unter anderem auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und dessen Ehefrau Karin, der stellvertretende Ministerpräsident Martin Zeil (FDP), Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) sowie die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen von SPD, CDU und FDP teil.

Zum Download:

Den Gottesdienst-Ablauf mit allen Gebeten und Ansprachen können Sie hier abrufen.

Die Predigt von Kirchenrat Dieter Breit
(Beauftragter der Bayerischen Landeskirche für die Beziehungen zu Landtag und Staatsregierung, München)