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Geborgenheit im Gepäck

(c) iStockPhoto / Howard Oates

Besonders für Pilger ist der Reisesegen von Bedeutung, ebenso wie vor allem für Menschen, die vor einer wichtigen biografischen Reise stehen. Diese Beobachtung hat Gabriele Pace (Foto unten), 52, evangelische Flughafenseelsorgerin am Airport München, gemacht. „Wenn Menschen zum Beispiel nach Lourdes oder Israel oder vierzehn Tage in die Wüste pilgern, um ihren Glauben zu stärken, erbitten sie in der Regel Reisesegen. Ebenso, wenn sie zum Beispiel zu einem Menschen reisen, den sie seit dreißig Jahren nicht gesehen haben.“

Generell kommen die Menschen in einer „Aufbruchsituation“ zu ihr, in einer „Schwellensituation, die unter guten Vorzeichen stehen soll“, so Pace. „Sie unterbrechen ihren Alltag, und diese Unterbrechung soll mit ,Perspektiven nach vorne‘ verbunden sein, den Reisenden kurz vor ihrem Abflug noch eine „Prise Geborgenheit, Begleitung und Schutz ins Gepäck“ streuen. Gabriele Pace verwendet hierfür einschlägige biblische Psalmen, ebenso wie auch gerne irische Reisesegen, „die kommen immer ganz toll an bei den Menschen, weil sie eine starke Naturverbundenheit widerspiegeln. ,Wind stärkt dir den Rücken‘, ,Licht möge deine Augen erhellen‘ – Worte und Wünsche wie diese öffnen die Herzen der Menschen.“

„Du hast nicht alles in der Hand“

Aber warum ist er eigentlich überhaupt wichtig, der Reisesegen? Warum hat er für die Menschen so eine große Bedeutung? „Weil darin immer auch ein gesunder Humor verpackt ist“, glaubt Gabriele Pace. Und zwar kein Humor, der die Welt und die Menschen ins Lächerliche zieht, sondern der eine Gelassenheit ausstrahlt, die den Menschen signalisiert: ,Du hast nicht alles in der Hand, und du kannst auf die Grunderfahrung vertrauen, Gott zu vertrauen‘. Oder, wie Pace es ausdrückt: „Es gibt eine Kraft, die höher ist als wir“ – und die für uns sorgen wird und verhindert, dass uns Schlimmes zustößt.

Karl Böttinger (Foto unten), 56, evangelischer Pfarrer und ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Autobahnkapelle Leutkirch „Galluskapelle“ am Rastplatz Winterberg an der A 96 Memmingen-Lindau, glaubt, dass Reisesegen den Menschen noch eine andere Form von Halt eröffnet: „Reisesegen gibt den Menschen eine Mischung aus Beauftragung und Sendung mit auf den Weg“, erklärt Böttinger.

„Über den Fahrzeugrand hinausblicken“

 „Die Menschen werden sich durch den Segensspruch bewusst, dass Gott mit ihnen ist, dass sie von ihm von außen geschützt werden – aber dass sie selbst auch ihren Teil zum Schutz beitragen müssen.“ Indem sie etwa auf der Autobahn keine Gaspedal-Akrobatik vollführen, sondern Verantwortung und Umsicht zeigen – „zum Heil für sich und andere“. Reisesegen sei deshalb aus Böttingers Sicht auch eine Aufforderung, „über den Fahrzeugrand hinauszublicken“.

Böttingers Apell an den Einzelnen, die Segenskraft nicht nur aufzunehmen, sondern auch an andere weiterzugeben, entspricht dem auf unserer Unterseite „Segen“ auf „bayern-evangelisch.de“ dokumentierten Verständnis der Bibel, nach welcher der Mensch seit seiner Erschaffung durch Gott Segenskraft in sich trägt, die er weitergeben kann:  „Alttestamentliche Geschichten erzählen davon, wie der Segen von Generation zu Generation weitergegeben wird, wie zum Beispiel in der Geschichte von Isaak, Esau und Jakob“, so heißt es auf unserer Unterseite. Und wenn Autobahnpfarrer Böttinger den Menschen einen Segen mit auf den Weg gibt, dann am liebsten den „Aaronitischen Segen“, der ebenfalls in unserem „Segen“-Spezial nachzulesen ist: "Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden."

Weitere Informationen zum Thema „Segen“, sowie auch einen Beispieltext für einen klassischen „Reisesegen“ finden Sie hier!

Text: Almut Steinecke