{Abo bestellen}
Für kirchliches Engagement in Europa
Am 9. Mai ist Europatag, ein Datum, das auch für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern von Bedeutung ist. Mit ihrem Ökumenereferat setzt sie sich seit Jahren für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa ein. Wegweisendes Dokument ist für sie die "Charta Oecumenica", die die katholischen, protestantischen und orthodoxen Kirchen Europas im April 2001 verabschiedet haben. Die Kirchen verpflichten sich darin selbst zu Verantwortung füreinander und gegenüber dem Staatengebilde Europa. Ein spannender Prozess, der in einer Reihe steht mit den Bemühungen um eine EU-Grundrechtscharta, eine Kultur- und Sozialcharta und anderes mehr.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern kommt dem etwa vor dem Hintergrund ihrer Partrnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn nach, wie Ulrich Zenker, Kirchenrat Ökumene und Mittel-Ost-Europa im aktuellen Ökumene-Rundbrief der ELKB umfassend dokumentiert. Der Eindruck der Grenzöffnung und die Rolle Ungarns bei der Wiedervereinigung Europas hätten eine wichtige Rolle gespielt, als auf der Herbstsynode in Schweinfurt 1992 der Partnerschaftsvertrag erstmalig unterzeichnet wurde. Reinhard von Loewenich als Vorsitzender des Ausschusses WuÖ habe den Partnerschaftsvertrag mit der Erwartung verbunden, dass wir „in unserem Land und in unserer Kirche hoffentlich nie vergessen wollen, was wir dem ungarischen Volk zu danken haben im Blick auf seinen tapferen Beitrag zur Öffnung des Eisernen Vorhangs“. Daran habe auch die Synodalpräsidentin im letzten Jahr bei der Jubiläumsfeier in Sopron erinnert.
"Der Zaun der Feindschaft ist abgerissen"
Bei dem live in Bayern, Ungarn und Österreich übertragenen Gottesdienst an der Grenze habe der Landesbischof den Mut der Menschen damals hervorgehoben, und mit einem Vers aus dem Epheserbrief darauf hingewiesen, dass Christus unser Friede ist, der den Zaun der Feindschaft abgerissen hat. "Auch wenn es für die jüngere Generation selbstverständlich geworden ist, so empfinde ich selbst es immer noch als ein Wunder, dass der Zaun der Feindschaft zwischen Ost und West abgerissen ist und Menschen aus Ungarn und Bayern, aus Österreich und der Slowakei sich zum Lob Gottes an dieser Grenze versammeln."
In den letzten 18 Jahren, so Kirchenrat Zenker, sei die Beziehung zur ungarischen Lutherischen Kirche zu einer "Partnerschaft auf Augenhöhe" in vielen verschiedenen Bereichen gewachsen. "Durch die geographische Nähe und die direkten Kontakte entwickeln die partnerschaftlichen Beziehungen an der Basis, in Gemeinden, Dekanaten, Schulen und Kindergärten eine große Dynamik, so dass allein 2009 insgesamt über 1000 Menschen aus Bayern und Ungarn an gemeinsamen Programmen teilgenommen haben." Zu solchen lebendigen Beziehungen fordere die Landessynode mit der Verlängerung des Partnerschaftsvertrages auf, immer wieder setze die Kirchenpartnerschaft neue Schwerpunkte.
Größte Dynamik für Partnerschaft im Bereich der Diakonie
"Im Augenblick", so informiert Zenker weiter, "scheint die größte Dynamik für die Partnerschaft im Bereich der Diakonie zu liegen. Zusammenarbeit von einzelnen diakonischen Trägern wie Herzogsägmühle und Nyiregyhaza, oder Neuendettelsau mit dem Phoebe-Diakonissenwerk in Budapest gab es schon lange. Durch das zusammengewachsene Europa stehen jetzt jedoch die Diskussionen zu den Standards in der diakonischen Arbeit und die Herausforderungen für die Diakonie auf dem europäischen Markt viel stärker im Vordergrund. Die EU-Standards gelten auch für ungarische Einrichtungen und sind für diese zum Teil existenzbedrohend, da es keine staatlichen Mittel für die Qualitätserhöhung und Qualitätssicherung in diakonischen Einrichtungen gibt. Wichtig ist eine professionelle Leitung in den Einrichtungen, um diese Herausforderungen zu meistern."
Seit September studierten daher zwei ungarische Studierende in Rummlsberg im Grundseminar. "Das Programm ist so angelegt, dass sie nach einem Jahr ein Studium der Sozialarbeit in Budapest abschließen und danach die Möglichkeit haben, an der evangelischen Fachhochschule in Nürnberg ein Dreisemestriges Studium der Diakonik belegen. Durch dieses Modell wird das eine Adaption des bayerischen Ausbildungsgangs auf ungarische Verhältnisse ermöglicht und der geistliche Auftrag für das diakonische Handeln in die ungarische Ausbildung einbezogen. Auch gemeinsame Seminare im Bereich Diakonie stoßen auf großes Echo." Zu erwähnen sei auch die enge Zusammenarbeit beim internationalen Projekt der „DonauFriedensWelle“ zum Abschluss der Dekade Gewalt überwinden, bei der beide Kirche intensiv zusammen arbeiten. Und zu erwähnen ist ganz aktuell der "2. Ökumenische Kirchentag" vom 12. bis 16. Mai in München bei dem auch eine Delegation der Evangelisch-Lutherischen Partnerkirche aus Ungarn vertreten sein wird - auf dass sich die europäischen Bande einmal mehr noch fester ziehen.

