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Evangelische Kirche widmet sich am Reformationsfest aktuellen politischen Themen

(c) www.bayern-evangelisch.de

Mit seiner Aussage bezog sich Friedrich auf die kürzlich erschienene Studie "Die Mitte der Krise" der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der rechtsextreme Tendenzen in Deutschland untersucht worden waren. Ein solches Verhalten sei zutiefst menschenverachtend. In der Evangelischen Kirche in Bayern gebe es gegenüber rechtem Gedankengut keine Toleranz, betonte Friedrich.

Der Augsburger Regionalbischof Michael Grabow hat indes das "Nein" der bayerischen Landeskirche zur Präimplantationsdiagnostik bekräftigt. "Wer will entscheiden, welches Leben noch wert ist, gelebt zu werden, und welches Leben es nicht mehr ist?", fragte Grabow in seiner Predigt in Bad Wörishofen. Jeder Mensch sei gleich wichtig und habe eine "unverlierbare Würde", egal, was er leiste oder wie erfolgreich er in seinem Leben ist.

"Weil wir selber lesen und verstehen können, eine Meinung haben und sie aussprechen"

Grabow räumte ein, dass es durchaus Situationen gebe, wo Entscheidungen über Leben oder Tod getroffen werden müssten. "Wenn ein Mensch an den Schläuchen hängt, die allein ihn noch leben lassen. Und wo weder Ärzte noch Angehörige wirklich und endlich sicher sein können, ob ein Mensch noch eine Chance zu einem menschenwürdigen Leben hat, oder ob seiner Würde mehr gedient ist, wenn er endlich und in Frieden sterben darf", erklärte Grabow.

Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), würdigte in ihrer Predigt beim zentralen Reformationsgottesdienst in München das Wirken Martin Luthers. Dessen reformatorische Entdeckung habe die Welt verändert. Alle alte Theologie sei überprüft und neu durchdacht worden. "Und heraus kamen wir. Wir Evangelischen ohne Papst und Lehramt, weil wir selber lesen und verstehen können, eine Meinung haben und sie aussprechen", sagte Göring-Eckardt, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages ist. Wie "ein Kartenhaus" sei das bisherige Lehrgebäude der mittelalterlichen Kirche mit Papst und Ablass in sich zusammengefallen.

Kritik an zu hohen Ansprüchen der Leistungsgesellschaft

Göring-Eckardt äußerte zudem den Wunsch, in der heutigen Zeit wieder einen "Zipfel reformatorischer Tradition" erleben zu können. "Wenn heute immer wieder, immer mehr Menschen die Dinge selbst in die Hand nehmen wollen. Bürgerbegehren anstrengen, auf die Straße gehen, in dem Wunsch, über das, was Heimat für sie ist, selbst zu entscheiden, in Stuttgart, in München, in Gorleben." Der Aufstand der Armen gegen die Banker, die ganz schnell die Kurve in die alten Verhältnisse zurück bekommen haben, blieb dagegen aus, bedauerte Göring-Eckardt.

Die hohen Ansprüche einer Leistungsgesellschaft an die Menschen hat die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Predigt im oberfränkischen Schwarzenbach an der Saale kritisiert. "Viele Menschen arbeiten bis zum Umfallen. Freizeit kommt zu kurz, die Familie auch", sagte Breit-Keßler, die auch ständige Vertreterin des Landesbischofs ist. Es wäre heilsam zu spüren: "Ob ich Managerin bin Jurist oder arbeitslos: Jeder und jede ist Gott unendlich viel wert - auch ohne Leistung und Erfolgsstatistiken."

"Alles fängt damit an, dass du wer bist"

Auch der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche richtete seine Predigt in Zirndorf auf das Thema "Leistungsgesellschaft" aus. "Du bist nicht erst dann wer, wenn du was gebracht hast, wenn du unter Beweis gestellt hast, dass du's kannst. Alles fängt damit an, dass du wer bist", sagte Nitsche.

Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss widmete sich in seiner Predigt in Ingolstadt dem Thema Religionen und Sicherheit. In einigen arabischen Ländern suchten muslimische Menschen ihre Religion als einen "Hort der Abgrenzung und Sicherheit vor den Einflüssen des westlichen Freiheitsdenkens", sagte Weiss. In Israel zögen sich ultrareligiöse Gruppen in eigene abgeschottete Siedlungen zurück und suchten dort, sich und ihre Familien vor den Einflüssen der übrigen, stark westlich geprägten israelischen Gesellschaft zu schützen.

Erinnerung an Überfall auf Münchner Brunner

Die Wichtigkeit des Kreuzes für die Menschen hat der Ansbach-Würzburger Regionalbischof Christian Schmidt betont. Es sei ein Sinnbild dafür, was an Bosheit im Menschen stecke, sagte Schmidt beim Gottesdienst im mittelfränkischen Ottenhofen. Er verwies auf den Tod von Dominik Brunner, der im September vergangenen Jahres von zwei Jugendlichen am Münchner S-Bahnhof Solln totgeprügelt wurde, nachdem er sich schützend vor Kinder gestellt hatte. Damals seien nicht nur Brunners Mut und Zivilcourage deutlich geworden, sagte Schmidt. Es habe sich auch gezeigt, wie viel Frust, Hass und Gewaltbereitschaft in jungen Menschen stecken könne.

Lesen Sie hier die Predigt des Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich am Reformationstag, 31. Oktober, in der Neupfarrkirche Regensburg!