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"Es geht nicht darum, mit dem Leiden zu kokettieren"

(c) Passionsspiele Oberammergau

In ihrer Festpredigt zur Eröffnung der 41. Oberammergauer Passionsspiele am Samstag, 15. Mai, im Festspielhaus Oberammergau, verdeutlichte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, wie sehr die Spiele ihr Publikum vor eine Herausforderung stellen: "mit einem Stück, das einen aus der Welt der Reichen, Schönen, Vitalen und Erfolgreichen energisch auf den Teppich zieht. Der Gott, der sich hier zeigt, ist kein Showstar, mit dem man sich schmücken könnte".

Denn Gott, der zu Anfang "durchaus seine Fans hat, wird wegen seiner Botschaft zunehmend mehr attackiert, angegriffen, verspottet, böse verlacht, gefoltert und schließlich hingerichtet. Er stirbt einen der Tode, die manche Menschen heute durchaus kennen – im ganz konkreten leiblichen Sinn, wenn sie von ande-ren misshandelt, missbraucht,  wenn sie Stück für Stück seelisch vernichtet werden. Wenn sie mit sozialer Not oder einer schweren Krankheit kämpfen, die ihre Existenz bedroht."

"Jesus von Nazareth ist ganz, ganz anders. Ein Anti-Held."

Vor diesem Hintergrund stünden Intendant Christian Stückl und die Darsteller der bis zum 3. Oktober andauernden Passionsspiele vor einem Balanceakt, wenn sie die schwierige Aufgabe zu bewältigen haben, die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu für die Bühne zu inszenieren: Aus einem im Grunde nicht showtauglichen, weil zu schmerzlichen Plot, eine Show zu machen - aus einem, im Grunde nicht startauglichen, weil zu authentischen Protagonisten, nämlich Jesu, einen Star zu machen.

Denn "der da nach seiner Vision kommen soll und den wir inzwischen kennen, Jesus von Nazareth, ist anders, ganz anders. Ein Anti-Held", so Breit-Keßler (Foto links). Und "das zu fassen, fällt selbst Filmemachern schwer, die mit Begeisterung daran gegangen sind, die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu in Szene zu setzen". Dennoch: "Christian Stückl wagt es immer wieder, diesen Jesus seinerseits unbequem-nachdrücklich zu inszenieren, unseren Gott, der das Leben verkörpert wie kein anderer. Der sich Menschenleid förmlich anzieht." Insofern sei das Passionspiel mehr als Theatershow, so die Regionalbischöfin: "Das Passionsspiel ist die Wahrheit unseres Lebens."

Lesen Sie hier die Predigt der Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler im Original-Wortlaut!