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"Erholung für die Samariter"

(c) www.evangelisch-in-jerusalem.de

Landesbischof Friedrich, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, hob in einem Vortrag im Rahmen der vom Lutherischen Weltbund (LWB) ausgerichteten Diakonie-Konferenz in Jerusalem hervor, dass es in Jerusalem der evangelischen Kirche gelungen sei, kontextbezogen diakonische Aufgaben zu erfüllen und entsprechende Angebote zu entwickeln.

Die Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung war im Rahmen der Reise Kaiser Wilhelms II. in das Heilige Land im Jahre 1898 entstanden. In Palästina siedelnde Deutsche hatten ihn damals um Hilfe gebeten, damit erkrankte Kolonisten, vor allem aber erschöpfte Mitarbeitende der
dortigen deutschen Schulen, Kranken- und Waisenhäuser Pflege und Erholung finden könnten. Im Auftrag des Kaisers wurden Grundstücke auf dem Ölberg erworben. 1907 erfolgte die Grundsteinlegung für das imposante Hospitalgebäude, das bis heute die Silhouette Jerusalems prägt. Drei Jahre später fand die Einweihung des Komplexes, zu dem auch die Himmelfahrtkirche gehört, statt.

"Ein Ort, um Gemeinschaft zu erfahren"

Landesbischof Friedrich (Foto), der Kuratoriumsvorsitzender der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung ist, begrüßte, dass die Stiftung schnell zum allgemeinen Erholungs- und Ausflugsort der deutschsprachigen Gesellschaft Jerusalems wurde: „Erholung für jene, die die Woche über hart arbeiten, und ein Ort, um Gemeinschaft zu erfahren, sind Instrumente, um Menschen, aber auch die Gesellschaft zu unterstützen und zu stärken.“ Auch dies, so Friedrich, sei ein diakonischer Auftrag. „Eine Gemeinschaft, die den Schwachen und Kranken helfen will, braucht die Stärkeren und Gesunden. Aber auch „gute Samariter“ benötigen manchmal Pflege, Zuwendung und Unterstützung. Die Kirche sei daher auch verpflichtet, Helfern Orte anzubieten, wo diese „auftanken“ können.“

Friedrich verband den Blick auf die Anfänge der Stiftung mit der aktuellen Arbeit in Jerusalem. Diese habe als einen Schwerpunkt die Arbeit mit Pilgern und Touristen. Dies schließe auch die Begegnung mit jüdischen Israelis ein – eine im ostjerusalemer Umfeld des Stiftungskomplexes nicht unumstrittenes Engagement. Im Hinblick auf diese diakonische Arbeit unterstrich der Landesbischof, der in den 1980-er Jahren selbst als Propst in Jerusalem tätig war, den ergänzenden Charakter solcher Dienste: Bildungs- und Versöhnungsarbeit könnten nur bestehen, weil die grundlegenden diakonischen Angebote für Kranke und andere Hilfsbedürftige auch am Ort etabliert seien, etwa das auf dem Ölberggelände ebenfalls bestehende und durch den LWB betriebene Krankenhaus.

"Eine stabile Gesellschaft sichert diakonische Arbeit ab"

Damit seien die Angebote der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung keinesfalls „überflüssiger Luxus“, denn, so Friedrich: „Wir sollten die verschiedenen diakonischen Aktivitäten komplementär verstehen. Eine stabile und versöhnte Gesellschaft sichert diakonische Arbeit ab. Wenn wir soziale Veränderungen anstreben, müssen wir uns auch um politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen bemühen.“ Dies gelte, so der Landesbischof, auch für die Arbeit der evangelischen Kirchen in Jerusalem.

Die Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung wurde 1910 als ein Zentrum für Jerusalem-Pilger und die deutsche Gemeinde in Jerusalem gegründet. Während das Hauptgebäude der Stiftung heute ein Krankenhaus ist, welches sich seit dem Ende der Britischen Mandatszeit in der Trägerschaft des Lutherischen Weltbundes befindet, betreibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf dem Stiftungsgelände seit 1990 wieder ein Pilger- und Begegnungszentrum. Jährlich werden hier mehrere zehntausend Besucher willkommen geheißen. Zu diesem Zentrum gehören die evangelische Himmelfahrtkirche – deren Turm ein Wahrzeichen Jerusalems ist – sowie der historische Kaisersaal.

Info im Internet: http://www.evangelisch-in-jerusalem.org

Text: Reinhard Mawick / EKD