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"Er begegnet der Feinde Wut nicht mit Toben seinerseits"

(c) www.bayern-evangelisch.de

Keine Pauken, keine Trompeten, kein dramatisches Getöse, statt dessen: zarte, sanfte, ruhige Klänge. Musikalische Leichtigkeit charakterisiert die vierte Kantate "Fallt mit Danken, fallt mit Loben" des Bachschen Weihnachtsoratoriums, in die Landesbischof Dr. Johannes Friedrich am Samstag, 1. Januar 2011, seine Neujahrspredigt bettete. Ein passender Rahmen für eine Ansprache, die sich einmal mehr schwerpunktmäßig mit der aktuellen Jahreslosung für das neue Jahr auseinandersetzte: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12, 21)." 

Denn die Ausgewogenheit der Musik spiegelt die Balance der Losungsbotschaft wider, die man als Überforderung oder spannenden Anreiz begreifen könne: als Chance, so Friedrich, sich selbst jene innere Freiheit angedeihen zu lassen, die auch Bach seiner friedfertig gestimmten Musik zugesteht: "Die Klänge lassen sich nicht in die Knie zwingen und enengen, sie klingen frei und ungehindert, allen Anfeindungen und allem Bösen zum Trotz. Das Böse wird abgefangen und abgefedert. Dem Bösen wird die Energie genommen durch diesen ungewöhnlichen, freundlichen Klang."

"Gewalt nicht mit Gewalt beantworten"

Obgleich man wenig darüber wisse, wie Bach, der große Komponist, "mit Schwierigkeiten und Problemem ungegangen sei", so Friedrich augenzwinkernd, könne man sich beruhigt von dem gelassenen Wesen seiner Musik inspirieren lassen, um Kraft zu sammeln für die persönliche Entscheidung gegen das tumbe ,Auge-um-Auge'-Prinzip, sich nicht übermannen zu lassen von destruktiven Impulsen. "Dies", sagte Friedrich, "erlebt man immer wieder bei Menschen, die Gewalt nicht mit Gewalt beantworten", statt dessen mit Worten fechten, sich trauen "auch einmal dagegen zu reden, wenn ungerechte Pläne geschmidet werden - auch in aller Öffentlichkeit. Sie lassen sich nicht einschüchtern."

Ein "Ja" zum Leben in sich fühlen

Aber auch nicht nur mit Blick auf Selbstlosigkeit, Gerechtigkeitsempfinden und dem hieraus resultierenden ausgeprägterem menschlichem Miteiander sei die Umsetzung der Jahreslosung abzulesen. Auch die Art und Weise, wie der Mensch mit eigenen Fehlern und Schwierigkeiten umgehe, sei ein Gradmesser dafür, ob man vom Bösen übermannt oder ob das Böse mit Gutem überwunden wird, konstatierte Friedrich. Er führte unter anderem die "kompromisslose Aufklärung der Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen", die die Erzdiözese München vorgelegt hätte, als Beispiel an und nahm auch Bezug auf Alltagssituationen, in denen wir uns zu einem konstruktiven Umgang mit Destruktivem entscheiden können. Um ein "Ja" in uns zu fühlen, das gelassene "Ja" der Jahreslosung, die auch als Überschrift über dem Eingangschor der Neujahrskantate aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach stehen könnte, so der Landesbischof - um sein Wesen in uns nachklingen zu lassen: ""Das ,Ja' Gottes zum Menschen und das ,Ja' des Menschen zu Gott."

Lesen Sie hier die ganze Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Johannes Friedrich!