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Ein Zeichen der Solidarität setzen

Am 10. Dezember ist "Tag der Menschenrechte"

Der „Tag der Menschenrechte“ ist ein wichtiger Tag. „Er setzt ein Zeichen der Solidarität für all jene, die unter Menschenrechtsverletzungen leiden und im Einsatz für Gerechtigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Opfer geworden sind“, sagt Ayfer Yildirim). Yildirim ist 28 Jahre alt, Kurdin aus der Türkei und engagiert sich seit ihrer Jugend für amnesty international Ingolstadt. Obwohl sie in Ingolstadt geboren und ausgewachsen ist, hat sie die Konflikte ihrer Heimat durch regen Kontakt mit ihren Eltern und einem in der Türkei zurückgebliebenem Teil ihrer Familie kennen gelernt. „Viele nahe Angehörige sind verhaftet oder auch gefoltert worden. Mit diesen Erfahrungen bin ich frühzeitig konfrontiert worden“, erzählt die junge Kurdin. „Da kann man nicht sagen: ,ich lebe weit weg von allen, mich geht das nichts an‘.

Menschenrechte stehen auch im Zentrum der Arbeit von Friedemann Preu: Der 53-Jährige ist stellvertretender Leiter des „Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern“ (kda Bayern) mit Sitz in Nürnberg. Für den kda Bayern stehen Menschenrechte im Vordergrund, die einen direkten Bezug zur Arbeitswelt haben. „Dazu gehört vor allem der Artikel 23“, erklärt Preu: „Dort wird das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie Schutz vor Arbeitslosigkeit festgeschrieben. Ebenso aber auch das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit und das Recht Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.“
Wenn wir allein auf die Situation der wachsenden Zahl von Niedriglöhnern, Leiharbeitern oder anderweitig prekär Beschäftigter in unserem Land blicken, sagt Preu, „sehen wir wie aktuell die Menschenrechte auch bei uns sind“.

"Menschenrechte sind in vielen Ländern keine Selbstverständlichkeit"

Der „Tag der Menschenrechte“ am 10. Dezember will das Bewusstsein hierfür einmal mehr fördern. „Die Erklärung der Menschenrechte geschah 1948 vor dem Hintergrund der Erfahrungen des 2. Weltkrieges, der viele Nationen in großes Elend stürzte“, erläutert Preu. „Die nationalsozialistische Ideologie und Diktatur führte einen Vernichtungsfeldzug gegen Juden. Die elementaren Menschenrechte anders Denkender wurden mit Füßen getreten. Am 10. Dezember sollten wir uns daran erinnern lassen, dass ,die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben‘, wie es in der Präambel heißt.“

(c) PrivatDas gilt bis auf den heutigen Tag, wo Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder politischen Überzeugung diskriminiert oder gar verfolgt werden. „Menschenrechte sind in vielen Ländern keine Selbstverständlichkeit“, sagt Yildirim (Foto) von amnesty international. „In vielen Ländern drohen denen, die Menschenrechte anmahnen, brutale Verhöre, Folter, Schikanen, Gefängnis, Erschießung, Todesstrafe, Zwangsarbeit.“

Vortrag über "Tauziehen um die Religionsfreiheit - ein Menschenrecht in der Krise?"

In Übereinstimmung mit dem christlichen Verständnis von der dem Menschen gottgegebenen Würde werden ,die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen als Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt‘ beschrieben, ergänzt Preu (Foto) vom kda Bayern. „Dieser universale Anspruch ist nicht nur bei den spektakulären Menschenrechtsverletzungen in Diktaturen zu beachten, sondern genauso in einem Land wie Deutschland, wenn es z.B. um die Rechte pflegbedürftiger Menschen oder den Rechten von Kindern geht. Die jüngsten Enthüllungen um die Neonazi-Terrorgruppe machen außerdem auf beklemmende Weise deutlich, wie gefährlich es ist, menschenfeindlicher Agitation nicht energisch genug entgegenzutreten.“

(c) kda BayernEine Kooperationsveranstaltung, an der ihre Organisation nur einen Tag nach dem offiziellen Gedenkdatum beteiligt ist, soll dazu beitragen, das kollektive Bewusstsein für Hintergründe wie die zu schärfen: Am Sonntag, 11. Dezember, laden amnesty international Ingolstadt und Eichstätt gemeinsam mit dem kda Bayern von 10.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu einer gemeinsamen Veranstaltung ins Stadttheater Ingolstadt ein. „Der inhaltliche Schwerpunkt der Veranstaltung ist traditionell eine Rede“, erzählt amnesty-Mitarbeiterin Yildirim. „In diesem Jahr spricht Professor Heiner Bielefeldt zum Thema ,Tauziehen um die Religionsfreiheit – ein Menschenrecht in der Krise?‘ Professor Bielefeldt ist Inhaber des 2009 neu geschaffenen Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg und zugleich UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit.“

Mit ai-Briefen gegen das Vergessen

Zum Vortrag gibt es ein musikalisches Rahmenprogramm, das mit der Sängerin Djatou Touré nach Westafrika führt, und eine Informationsbörse aus über 30 Vereinen und Organisationen, bei der zum ersten Mal die Jugendgruppe des BUND Naturschutz beteiligt ist. Die Kooperationsveranstaltung zum „Tag der Menschenrechte“ von kda Bayern und amnesty international im Stadttheater Ingolstadt am Sonntag, 11. Dezember, ist offen für alle: Der Eintritt ist frei.

Sowohl der kda Bayern, als auch amnesty international würden sich freuen, so viele Menschen wie möglich im Stadttheater Ingolstadt begrüßen zu dürfen, das Thema „Menschenrechte“ in den Focus der Aufmerksamkeit zu rücken. „Der Einsatz für Menschenrechte ist in Ingolstadt ein wichtiges Thema“, unterstreicht Preu. „Hierzu engagieren sich eine Vielzahl von Verbänden und Organisationen. Die Botschaft der Veranstaltung heißt: Tue auch du persönlich etwas dafür, zum Beispiel mit den ai-Briefen gegen das Vergessen.  "ENGAGIERT EUCH!" lautet der Aufruf von Stephane Hessel (Mitverfasser der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) in seinem 2011 erschienen Buch.“

Aktuell engagiert sich amnesty international Ingolstadt und Eichstätt zum Beispiel „intensiv für die Freilassung von Nikolai Statkevich“, sagt amnesty-Mitarbeiterin Yildirim. „Statkevich war Präsidentschaftskandidat der Opposition bei den Wahlen 2010 in Weißrussland. Er wurde zu 6 Jahren schweren Straflagers verurteilt. Auf unserer Internetseite können alle, die sich engagieren möchten, bei Aktionen mitmachen.“