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"Ein verrücktes Frauenzimmer"

Erst kurz vor ihrem Ruhestand wurde ihr erfüllt, wofür sie fast ihr ganzes Leben lang gekämpft hatte: 1976 wurde die Theologin und Pfarrvikarin Liesel Bruckner zur Pfarrerin ordiniert. Jahrzehnte des Einsatzes für die Rechte der Frauen im geistlichen Amt, der Zurückweisung und des vielfältigen Engagements in der Evangelischen Landeskirche waren dem vorausgegangen. Am vergangenen Sonntag wäre die gebürtige Dortmunderin, die in Amberg aufwuchs, 100 Jahre alt geworden. "Liesel Bruckner war eine beeindruckende Frau, die im Gedächtnis derer geblieben ist, der sie kennen gelernt haben und mit ihr gearbeitet haben," würdigte Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern die Pfarrerin in ihrer Predigt in Amberg.

Die Begegnung mit der Theologin Martha Voigt aus dem Burckhardthaus Berlin motivierte die damalige Konfirmandin, später selbst Theologie zu studieren: Sie wollte die Bibel besser kennenlernen und anderen im Umgang mit dieser helfen. Als eine der ersten Frauen begann sie in Erlangen und Tübingen Theologie zu studieren. Während der NS-Zeit hatte sie sich immer wieder mit den  Nationalsozialisten, besonders mit der Gestapo bis hin zu Gerichtsverfahren auseinanderzusetzen. Frühzeitig wurde sie Mitglied der Bayerischen Pfarrbruderschaft, die sich im Kirchenkampf engagierte.

Harsche Reaktion

Besonders der Weg der Theologinnen in der bayerischen Landeskirche ist eng mit ihr verknüpft. Noch ohne Aussicht auf eine landeskirchliche Anstellung schlossen sich 1935 in Nürnberg zehn Theologinnen zum „Konvent Bayerischer Theologinnen“ unter ihrer Leitung zusammen. Der bayerische Landeskirchenrat reagierte auf das erste bayerische Theologinnentreffen damit, dass er Ende November 1935 beschloss, keine Theologinnen mehr zu kirchlichen Prüfungen zuzulassen.  Der Theologinnenkonvent rang um das theologische Verständnis und um eine kirchengesetzliche Grundlage des Amtes einer Theologin, um Arbeitsmöglichkeiten und Fortbildung.

Bescheiden im Auftreten, aber beharrlich in der Sache kämpfte Liesel Bruckner, bis 1946 die Einsegnung von Pfarrvikarinnen, bis 1971 die Beauftragung zur Sakramentsverwaltung im Dienstbereich und bis 1975 die volle Ordination für Frauen in Bayern ermöglicht wurden. So wurde sie noch kurz vor ihrem Ruhestand eine der ersten ordinierten Pfarrerinnen.

Ein mitarbeiterorientiertes Gemeindekonzept

In ihrer langjährigen Tätigkeit in Amberg trug ihr stark mitarbeiterorientiertes Gemeindekonzept reiche Früchte. Auch im Ruhestand war sie mit ihrer Schwester Friedel, die mit ihr in Amberg lebte, die „Mitte der Gemeinde“. Nahe an den Menschen überzeugten sie beide durch ihr Tun. Nach etwa 40 Jahren übergab Liesel Bruckner Ende der 80er Jahre die Verantwortung für den Frauenbibelkreis einem Team, das die Arbeit in ihrem Geiste fortführt. Ihr eigenes Leben – gerade auch als Theologin – sah sie erfüllt in ihrem Konfirmationsspruch: „Gedenke an den Herrn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ (Spr 3,6)Liesel Bruckner war eine beeindruckende Frau, die im Gedächtnis derer geblieben ist, der sie kennen gelernt haben und mit ihr gearbeitet haben.