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Ein Ort der Freiheit

(c) Annette Zoepf

Mit einem Festgottesdienst ist die historische Augsburger evangelische Stadtkirche St. Anna am vergangenen Sonntag, 25. September, wieder eingeweiht worden. Nach vierjähriger Sanierungszeit wurde mit einem festlichen Einzug das Abendmahlsgeschirr wieder in die Kirche gebracht.

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum" hatte die Kirchengemeinde den feierlichen Gottesdienst überschrieben. In seiner Festpredigt sagte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, eine Kirche solle ein Ort der Freiheit und Weite des Denkens sein. "Weil wir an den Gott glauben, der uns ins Weite führt, soll auch der Ort, an dem dieser Gott gegenwärtig ist, eben diese Weite und Freiheit widerspiegeln."

Ein Ort, an dem die Herzen weit werden

Wie kostbar Freiheit sei, das wüssten insbesondere diejenigen, die immer wieder ihre Grenzen erfahren müssten. Friedrich erinnerte an die Menschen, die in den vergangenen Monaten in Nordafrika und im Nahen Osten um ihre Freiheit gerungen hätten. Doch Weite und Freiheit seien auch "Geschwister des Ungewissen", so der Landesbischof. Vor allem Christen im Nahen Osten hätten die Sorge, dass "die Freiheit der Mehrheit auf Kosten der christlichen Minderheit" gehe und Christen "einmal mehr die Zielscheibe von Hass und Gewalt werden könnten", sagte Friedrich. Dennoch spürten auch sie die Sehnsucht nach "dem grenzenlosen Himmel, dem weiten Meer und dem Land, wo das Auge nicht sofort an Grenzen stößt".

(c) Zöpf Gottes Weite verändere den ganzen Menschen, so Friedrich, sie ließe ihn wachsen und sich entfalten und mache sein Herz weit. Diese Weite des Herzens habe die Gemeinde von St. Anna in der Renovierungszeit in der Gastfreundschaft der Christen von der katholischen Nachbargemeinde Heilig Kreuz erlebt, "die ihre Türen weit aufgemacht haben, selbst vielleicht ein bisschen zusammengerückt sind und nicht eifersüchtig über Mein und Dein gewacht haben". Der Landesbischof wünschte der neuen St. Anna-Kirche, dass sie ein Ort sei, an dem die Herzen weit würden "und wir weiterhin die Fülle der Gaben, die Gott uns gegeben hat, in ökumenischer Freiheit miteinander zum Einsatz bringen". Hier können Sie die Predigt des Landesbischofs herunterladen.

Ein lichter Raum

In einer ökumenischen Liturgie erinnerten der evangelische Regionalbischof Michael Grabow und der katholische Augsburger Prälat Bertram Meier an die herausragende Stellung der Annakirche. St. Anna gilt als wichtige Lutherstätte. 1518 hielt sich Martin Luther in dem ehemaligen Karmeliterkloster auf, als er sich während des Reichstags vor dem päpstlichen Legaten Cajetan verantworten musste. "St. Anna ist eine wunderschöne, fertige Kirche in dem lichten Raum, der sich aufspannt", sagte Grabow. "St. Anna ist ein wichtiger evangelischer Bestandteil in unserer Stadt", fügte der katholische Prälat und Ökumene-Beauftragte, Bertram Meier, hinzu.

"Symbol evangelischer Präsenz"

Die 1321 erbaute Kirche St. Anna sei ein herausragendes Kulturdenkmal, betonte der bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch. Der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl sagte: "St. Anna ist ein Symbol evangelischer Präsenz, zugleich des Miteinanders der Konfessionen und der Identität unserer Stadt". 1999 wurde in der Augsburger Kirche eine Erklärung zur Gemeinsamen Rechtfertigungslehre unterschrieben, ein wichtiges Dokument der Ökumene.

Fast zwei Millionen Euro Eigenbeteiligung

Die Restaurierung in Höhe von rund sieben Millionen Euro trägt zu gut einem Drittel die Evangelische Landeskirche. Ein weiteres Drittel wird von öffentlichen Zuschüssen sowie Geldern der Stiftung Denkmalschutz und dem Entschädigungsfonds gewährt. Knapp zwei Millionen muss die Kirchengemeinde von St. Anna selbst übernehmen. Dank vieler engagierter Spender und mit kreativen Ideen konnte die Kirchengemeinde bereits einen Großteil der Summe aufbringen: Lediglich 150.000 Euro fehlen noch zur vollständigen Finanzierung.

Spender können auch himmlische Paten der barocken Deckenfresken in St. Anna werden. Interessierte können online unter www.himmlische-paten.de die Gemälde betrachten und ihr persönliches Stück vom Himmel wählen. Jeder Pate erhält eine Patenurkunde und sein Patenteil im Großformat. Jeder Pate kann außerdem eine Grußbotschaft hinterlegen, die im Internet bei einem Klick auf sein Patenteil angezeigt wird. Mit der Patenschaft, die 50 Euro kostet, finanziert die Kirchengemeinde St. Anna ihren Anteil für die Restaurierung dieses Stücks Deckengemälde, das in der Realität etwa dreißig mal dreißig Zentimeter groß ist.

Text: epd/ bayern-evangelisch.de