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Die Weisheit ist weiblich

(c) Privat

epd: In dem Wettbewerb ging es um weibliche Gottesvorstellungen. Was versteht man darunter?

Küstenmacher: "Weibliche Gottesvorstellungen gibt es im Prinzip im gesamten Leben und Reden Jesu. Wenn es heißt "mein Leib gegeben", dann kann man sich etwa fragen, wo es diese Situation eigentlich gibt in unserem Leben. Und dann kommt man auf die Mütter, die sich ihrem Kind geben in Schwangerschaft und Geburt. Und nach der Geburt können die Kinder bei der Mutter trinken und werden dadurch gesättigt."

epd: Was sind die fünf Steckbriefe der Weisheit?

Küstenmacher: "Sophia ist die Personifikation der Weisheit. Die fünf Steckbriefe verraten etwas über unseren persönlichen Zugang zur Weisheit. Jede Frau soll sich in einem solchen Steckbrief finden können. Da gibt es zum Beispiel Sophia als ,geliebte, tanzende Mitgestalterin der kosmischen Ordnung'. Weisheit in diesem Sinne ist kosmische Energie. Frauen mit dieser Art von Weisheit werden beispielsweise gern die Zusammenhänge zwischen Natur und Geist erforschen. Und sie begegnen dem Körper mit Liebe und Achtsamkeit, tanzen gern oder haben heilende Kräfte. Weisheit ist nichts Theoretisches, sie ist praktisch und lebensnah."

epd: Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Küstenmacher: "Ich berichte in meinem Text über eine Zeit, in der ich körperlich erschöpft und in meiner geistigen Entwicklung von inneren Widersprüchen blockiert war. Bei einer 14-tägigen Auszeit bei Exerzitien bekam ich den Rat, zuerst meinen Körper zu versorgen. Ich schlief aus und ging in die Natur, dann war ich soweit erholt, dass ich mich mit Weisheitstexten beschäftigen konnte. Am Anfang stand das Vertrauen in die Weisheit des eigenen Körpers. Schon die Kirchenlehrerin Teresa von Avila riet vor hunderten von Jahren: Sei gut zu deinem Körper, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. In diesem Sinne half mir Mutter Sophia, meine verwundete Seele zu nähren."

epd: Was möchten Sie mit Ihrem Text erreichen?

Küstenmacher: "Ich möchte vermitteln, dass die Sophia-Texte der Bibel zu einem lebenslangen persönlichen Entwicklungsprozess einladen und uns die Augen dafür öffnen, wo sich in unserem unmittelbaren Lebensumfeld weibliche Weisheit ihr Haus baut, wie es in der Bibel so schön heißt."

epd: Was machen Sie mit Ihrem Preisgeld?

Küstenmacher: "Alle Mädchen brauchen körperliche Unversehrtheit und Bildung, um sich frei entfalten zu können. Einen Teil des Geldes bekommt deshalb unsere jüngste Tochter Sophia für eine Sprachreise nach England. Die restliche Summe spende ich Rüdiger Nehbergs Organisation ,Target', die sich dem Kampf gegen Genitalverstümmelung von Mädchen widmet. Target ist außerdem vorbildlich darin, auch die islamische Kultur und Religion zu würdigen, in deren sufistischer Mystik übrigens eine hohe Wertschätzung für Jesus zu finden ist, die das Herz erwärmt."

Weitere Informationen zum Argula-von-Grumbach-Preis finden Sie auf unseren Seiten!