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Die Gemeinschaft als Kraftquelle
"Ich möchte noch besser verstehen, an welchen Stellen die Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften unsere ganze Kirche befruchten und bereichern können." In seinem Statement im Münchner Presseclub verdeutlichte Landesbischof Johannes Friedrich seine klare Zielsetzung für 2010. Nachgucken, wo es schon viel Miteinander gibt im Rahmen von Kirche - nachforschen, wie man das Potential dieses Miteinander noch ausweiten, nutzen kann, um auch andere, noch nicht teilhabende Menschen dafür zu begeistern: Dieses Vorhaben kündigte Friedrich für das neue Jahr an. Nicht zuletzt, um herauszufinden, warum auch vor dem Hintergrund krisengebeutelter Zeiten soviele Menschen den Halt im Glauben verlieren oder erst gar nicht auf die Idee kommen, ihn für sich zu suchen.
"Ich sage es ganz deutlich", unterstrich der Landesbischof (auf unserem Foto hier übrigens zu sehen mit Schwester Anna-Maria aus der Wiesche, links, und Schwester Nicole Grochowina von der Kommunität Christusbruderschaft). "Das Rekordhoch an Austritten im Jahr 2008 - als die Finanzkrise gerade begann - macht mir große Sorgen. Was sind die Gründe dafür? Und wenn ich mir die Austrittszahlen für 2009 anschaue - das bewegt sich auf lgeich hohem Niveau wie 2008." Im Jahr 2009 seien 20 036 Menschen aus der Kirche ausgetreten. "Das ist zwar etwas weniger als die 20 400 im Jahr 2008, aber das sind doch 20 036 zu viel", beklagt Friedrich.
Wachsendes Interesse mit Blick auf Kommunitäten
Demgegenüber stünden gleichwohl positive Nachrichten aus der Communität Christusbruderschaft Selbitz, die ihn zu seinem Jahresthema inspiriert hätten. "13 500 Menschen übernachteten im vergangenen Jahr im Gästehaus der Communität Christusbruderschaft Selbitz", wusste Johannes Friedrich zu berichten. "13 500 Übernachtungen sind eine Menge – doch noch weit mehr Menschen kamen als Tagesbesucher zu den 125 Schwestern im oberfränkischen Selbitz, um Gottesdienste mitzufeiern, für ein seelsorgerliches Gespräch oder suchten geistliche Begleitung." Der Landesbischof nahm das Interesse erfreut zur Kenntnis: "Es kommen Einzelne, die häufig gar nicht in der Kirche sind, aber auch Gruppen von Pfarrern und Pfarrerinnen zu Fortbildungen in Spiritualität und geistlicher Begleitung. Auch die übrigen 13 Kommunitäten und Geistlichen Gemeinschaften in Bayern berichten von ähnlich wachsendem Interesse und steigenden Besucherzahlen." Grund genug für ihn, sich verschiedener bestehender evangelischer Kommunitäten in Bayern künftig näher zu widmen, zu denen man erste Informationen übrigens auch hier findet: http://www.bayern-evangelisch.de/www/glauben/evangelische-kommunitaeten.php
Friedrichs Statement folgte eine lebendige Diskussion im Rahmen des Münchner Presseclubs, an der u.a. auch Schwester Anna-Maria aus der Wiesche und Schwester Nicole Grochowina von der Kommunität Christusbruderschaft teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Landesbischof zu verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Themen. So verteidigte Friedrich etwa die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zum Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan; die Bischöfin habe zurecht die betont, dass zuerst alle Möglichkeiten einer friedlichen Konfliktbewältigung ausgeschöpft werden müssten, bevor militärische Gewalt angewendet werde. Nach dem Verständnis der Kirche und der christlichen Friedensethik müsse der Einsatz von Gewalt immer das "äußerste Mittel" bleiben, so Friedrich.
Rummelsberg "völlig falsche Aktion"
Auch das Thema "Ökumene" rückte in den Mittelpunkt des Interesses. Dabei war es dem Landesbischof einmal mehr ein Anliegen, zu bekräftigen, dass die theologischen Differenzen zwischen den Kirchen seiner Überzeugung nach nicht zu hoch gehängt werden sollten. Auch der Erfolg des Münchner Ökumenischen Kirchentags im Mai sei nicht daran zu messen, ob "Lehruneinigkeiten" überwunden werden, betonte Friedrich. Zu den umstrittenen katholischen Erklärungen, die den Protestanten den Status einer vollgültigen Kirche absprechen, sagte er, wichtig sei, dass der Heilige Geist wisse, dass die Evangelischen eine Kirche seien, der "Papst muss es nicht unbedingt wissen." In Deutschland werde die evangelische Kirche von den katholischen Bischöfen voll als Kirche akzeptiert - an der kirchlichen Basis blühe und gedeihe die Ökumene.
Ebenso standfest gestalteten sich die Aussagen des Landesbischofs zum Spenden-Boykott gegen Rummelsberg als weiteren thematischen Eckpfeiler der Diskussion. Für Friedrich ist die Weigerung der mittelfränkischen Landgemeinde Sommersdorf/Thann für die Rummelsberger Anstalten Spenden zu sammeln, eine "völlig falsche Aktion". Wegen der Skandale in der Diakonie Rummelsberg hatte der Kirchenvorstand beschlossen, im Jahr 2010 keine Sammlungen für die Diakonie durchzuführen. Der weitaus größte Teil der Spenden für die diakonische Arbeit in der Region bestimmt und nicht speziell für Rummelsberg so Friedrich.
Kritikpunkte "längst Vergangenheit"
Außerdem seien die von der Gemeinde angeführten Kritikpunkte an der Diakonie Rummelsberg "längst Vergangenheit" und würden von der neuen Leitung aufgearbeitet. Die Aufregung um eine Abfindung in Höhe von 450.000 Euro für einen Geschäftsführer nannte Friedrich nicht verständlich. Diese Mittel seien nötig gewesen, um das Vertragsverhältnis beenden zu können. Darüber hinaus sei es zu deutlichen Einsparungen gekommen, da statt früher zwei Geschäftsführern jetzt nur noch einer in Rummelsberg beschäftigt sei. Mit deutlichen Worten kritisierte der Bischof, dass der frühere Rektor Bierlein als beamteter Pfarrer eine Zulage von monatlich 2 000 Euro erhalten habe. Im Presseclub hatte sich Friedrich damit erstmals öffentlich zu Rummelsberg geäußert.

