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"Böses mit Gutem überwinden"
In seinem "Wort zum Jahreswechsel" stellt sich Dr. Johannes Friedrich der aktuellen Jahreslosung für das neue Jahr zunächst ansatzweise kritisch gegenüber. "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem" (Römer 12,21) lautet die Jahreslosung für 2011. Gute Vorsätze wie der in der aktuellen Losung formulierte, würden generell die Gefahr in sich bergen, "dass die alte, schlechte Angewohnheit nach einer kurzen Zeit einen mit umso größerer Macht überkommt und man danach umso mehr in den alten Gewohnheiten verhaftet ist als zuvor", so der Landesbischof.
Insofern schiene die Jahreslosung "ziemlich an der Realität vorbeizugehen", sie ringe "dem einen oder anderen höchstens ein müdes Lächeln ab": dem einen oder anderen Zweifler, der zwanghaft glaubt, im neuen Jahr ständig den Gutmenschen in sich hervorholen zu müssen. "Und für andere bleibt die Jahreslosung ein gut gemeinter Appell, dessen Umsetzung jedoch fragwürdig ist" - dem kollektiven Glauben nach werde Böses schließlich am effektivsten mit Bösem vergolten - Böses mit Gutem zu überwinden, das würde nicht gelingen.
Oder doch?
Wer Friedrichs Wort zum Jahreswechsel aufmerksam liest, erfährt, wie man andere zum Nachdenken bringen kann, ohne sich selbst in Groll zu verstricken. Wie man mit einem ruhigen "Nein" Klarheit schafft. Wie man mit einem Lächeln die Angespanntheit anderer lockert. Wie man gelassen Grenzen setzt, ohne sich dabei von sich selbst zu entfremden. Und woher wir die Kraft dafür nehmen können, Böses auf entspannten Wegen wie diesen tatsächlich mit Gutem zu überwinden...

