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Bayerisches Bündnis für Toleranz feiert Jubiläum
Um das fünfjährige Bestehen des "Bayerischen Bündnisses für Toleranz" rankt sich eine neue Folge der Talkreihe "Dialog unter Kuppel", die am heutigen Montag, 18. Oktober, in der Bayerischen Staatskanzlei aufgezeichnet wird. Zum Thema „Demokratie mutig gestalten – Im Spannungsfeld von Extremismus, Globalisierung und Digitalisierung“ diskutieren unter anderem Ministerpräsident Horst Seehofer und Dr. Johannes Friedrich. Der Landesbischof wird unter anderem dafür plädieren, als Christ nicht die Augen davor zu verschließen, „dass in der Zeit des Nationalsozialismus auch Menschen unserer Kirche dem antijüdischen Gedankengut sehr nahe standen“, so Friedrich. „Auch wenn wir uns heute dafür schämen, so dürfen wir diese Erinnerung nicht auslöschen, denn erst die Erinnerung hilft uns, heute nicht wieder die Fehler von gestern zu wiederholen.“
Weitere Diskussionsteilnehmer in der Bayerischen Staatskanzlei werden sein: Professor Dr. Eckard Jesse, Inhaber des Lehrstuhls für "politische Systeme, politische Institutionen" der Technischen Universität Chemnitz, sowie Professor Dr. Dirk Heckmann, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Sicherheits- und Internetrecht an der Universität Passau und Mitglied des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes. Die aktuelle Folge aus der Reihe "Dialog unter der Kuppel" soll schon bald im TV ausgestrahlt werden - passend zum Jubiläum der fünf Jahre zurückliegenden Bündnisgründung.
"Für demokratisches und werteorientiertes Gemeinwesen werben"
Bereits im Januar 2005 hatte sich in München das Bündnis unter Teilnahme des damaligen Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Bezirk Bayern, und ehemaligen Bundestagsabgeordneten der bayerischen SPD, Fritz Schösser, des emeritierten Erzbischofs von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, sowie des damaligen Innenministers Dr. Günther Beckstein und des evangelischen Landesbischofs Dr. Johannes Friedrich konstituiert. „Gemeinsam mit allen aufrechten und verantwortungsbewussten Demokraten wollen wir allen rechtsextremistischen, rassistischen und antisemitischen Tendenzen entgegentreten und für unser demokratisches und werteorientiertes Gemeinwesen werben“, umriss Friedrich seinerzeit das Bündnisziel, dessen Notwendigkeit selbstredend ist.
„Rechtsextremismus kommt wie ein Fieberanfall in die Gemeinden“, weiß Wunsiedels Bürgermeister und Bündnispartner Karl-Willi Beck aus eigener leidvoller Erfahrung. Neben dem unfreiwilligen Wallfahrtsort der Neonazis in der kleinen Fichtelgebirgsstadt wurden beispielsweise auch Gräfenberg, Warmensteinach und Weiden vom braunen Spuk heimgesucht. Kein Ort in Bayern kann sich wirklich sicher sein, nicht auch einmal mit dem Rechtsextremismus konfrontiert zu werden. Allerdings stellen sich dort, wo sich Bürger wehren, mutig dagegen demonstrieren, Grenzen setzen und den extremistischen Tendenzen ihr Demokratiebewusstsein entgegen setzten, schnell auch die Erfolge ein.
"Bayern ist bunt - nicht braun"
Zu dem Bündnis gehören inzwischen 30 Institutionen aus Politik, Kirchen, Vereinen und Verbänden – der BLLV und verschiedene Vertreter aus dem Bildungswesen ebenso wie der DGB, die Israelitischen Kultusgemeinden ebenso wie der Landessportverband, die kommunalen Spitzenverbände ebenso wie wichtige Ministerien. Im Januar 2010 fand ein Jubiläumsfestakt unter dem Titel "Bayern ist bunt - nicht braun" statt, bei dem die Mitglieder mit Freude auf die vergangenen Jahre zurück blickten. Vor allem die 2007 gegründete "Projektstelle gegen Rechtsextremismus" bescherte dabei die überaus positive Bilanz. Die zentrale Anlauf-, Beratungs- und Vernetzungsstelle, die seit drei Jahren im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexanderbad beheimatet ist, hat bewirkt, dass im Freistaat der Anteil an Personen und Organisationen, die sich offensiv mit dem Thema auseinandersetzen, spürbar gewachsen ist.
An dem Jubiläumsempfang im Janur hatten sich zahlreiche Bündnispartner, Unterstützer und engagierte Freunde beteiligt: neben Innenminister Joachim Herrmann auch Staatssekretär Dr. Marcel Huber (Kultusministerium), Ulrike Gote (MdL Bündnis90/Die Grünen) und Dr. Michael Kohlstruck (Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin). Sie alle würdigten die vielfältige Arbeit und betonten, dass ein demokratisches, tolerantes und menschenfreundliches Bewusstsein maßgeblich von der bereits erwähnten "Projektstelle gegen Rechtsextremismus" geschärft worden sei. Der Schirmherr des Bündnisses, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich, betonte, dass diese Arbeit aus der bayerischen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sei.
"Kinder zu starken Demokraten heranbilden"
In ihrer Festrede unterstrich seinerzeit Landtagspräsidentin Barbara Stamm, dass gerade in den Schulen nicht nur Wissen vermittelt werden, sondern auch Herzens- und Charakterbildung stattfinden sollte. Dazu gehöre auch, den Kindern und Jugendlichen die Vorteile der mehrkulturellen Gesellschaft in unserem Land zu erörtern und gegenseitige Toleranz zu fördern. Stamm hob heraus, dass der Kampf gegen Rechtsextremismus und für Demokratie ein Bildungsauftrag für Elternhaus, Schule, Kommune, Jugendarbeit und Vereine gleichermaßen sei. Simone Richter, Leiterin der "Projektstelle gegen Rechtsextremismus", kündigte an, dass sich das bayerische Bündnis der neuen Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus“ der EKD ebenso wie dem Wertebündnis der bayerischen Staatsregierung anschließen werde.
Außerdem werde noch ein Sammelband zum so genannten Wunsiedler Weg vorbereitet; darin soll aus verschiedensten Perspektiven die Entwicklung des bunten Widerstands gegen die alljährlichen Aufmärsche der Neonazis dokumentiert werden. In den kommenden Jahren allerdings, so Richter, warten im Sinne der Demokratieerziehung und Toleranzarbeit noch große Herausforderungen. Wichtigster Arbeitsschwerpunkt sei daher die politische Bildung und Demokratieerziehung an den Schulen. Richter: „Wenn wir unsere Kinder und Jugendliche gegen Rechtsextremismus immunisieren wollen, müssen wir sie zu starken Demokraten heranbilden.“
Spannende Seminare im Tagungszentrum Bad Alexanderbad
Das nötige Know-How vermitteln etwa die spannenden Veranstaltungen im neuen Jahresprogramm im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexanderbad. Bei einem dreitägigen Seminar vom 22. bis 24. Oktober unter dem Titel „Völkischer Aufmarsch über Grenzen hinweg“ zum Beispiel wird der Rechtsextremismus in Europa nach 1989 beleuchtet. Der Rechtsruck in den ehemaligen Ostblockstaaten sei besorgniserregend und stelle Kirche und Gesellschaft vor neue Herausforderungen, heißt es im Vorwort der Tagung. Insbesondere die Kirchen könnten Gegenstrategien über Ländergrenzen hinweg aufbauen.
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