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Bayerische Landeskirche vollzieht Kurswechsel in der Umweltarbeit
epd: Von den 1530 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern beteiligen sich bislang nur 50 an dem Umweltmanagementsystem "Grüner Gockel". Warum sind es so wenig?
Schürger: "Der ,Grüne Gockel' ist ein echtes Umweltmanagementsystem, das Kirchengemeinden befähigt, zum Beispiel ihren Energie- und Wasserverbrauch sowie ihre Abfallmenge um bis zu dreißig Prozent zu senken. Aber wie jedes Managementsystem muss der 'Grüne Gockel' von der Leitung beschlossen und mitgetragen werden, also vom Kirchenvorstand. In der Regel müssen mein Mitarbeiter Bernd Brinkmann oder ich dazu in einer Sitzung des Kirchenvorstands den ,Grünen Gockel' vorstellen. Das kostet Zeit. Das Verfahren selbst wird dann von Ehrenamtlichen aus der Gemeinde durchgeführt. Insofern sind 50 Gemeinden schon eine ganze Menge.
Das ist auch das Erfolgsgeheimnis des ,Grünen Gockels': Es kommt nicht ein Berater von außen, der sagt, wie es geht, und dann wieder verschwindet. Sondern die Arbeit wird von einem Team der Gemeinde oder Einrichtung selbst geleistet und ist dort fest verankert. Natürlich hat das Auswirkungen auf die Geschwindigkeit: Die Einen schauen sich erst mal den gesamten Energieverbrauch an, andernorts wird sofort eine neue Heizung eingebaut. Aber wir sind gut im Zeitplan. Ich bin zuversichtlich, dass sich bis 2014 insgesamt 200 Gemeinden an dem Prozess beteiligen, wie es die Landessynode fordert."
epd: Die Ehrenamtlichen haben also eine wichtige Bedeutung?
Schürger: "Ja. Bayernweit haben wir in der kirchlichen Umwelt- und Klimaarbeit ein Netzwerk von rund 1100 Ehrenamtlichen. Zwei Drittel von ihnen sind übrigens Männer. Viele haben einen technischen Hintergrund, den sie gern in der Gemeinde einbringen möchten, andere wollen eher pädagogisch wirken und etwas am System ändern. Beides ist wichtig: Es braucht jemanden, der beim Gemeindefest darauf achtet, dass das Fleisch vom Metzger der Region kommt oder auch vegetarisches Essen angeboten wird. Und jemanden, der sich um Nachhaltigkeit bemüht, wenn die Kirche renoviert werden soll. Für die Ehrenamtlichen gibt es regelmäßige Treffen und auch Fortbildungen. Künftig wollen wir das Netzwerk noch verbessern und die Dekanatsebene stärken. Denn auf dem Land sind andere Themen von Bedeutung als in der Stadt."
epd: Welche Projekte haben Sie denn außer dem "Grünen Gockel" in den ersten eineinhalb Jahren realisieren können?
Schürger: "Die Umweltarbeit der Landeskirche umfasst ein großes Spektrum - von technischen Fragen beim Umweltmanagement bis hin zum Lebensstil. Wir sind breit aufgestellt und bieten Material und Schulungen an - vieles davon im Internet. Bei der Aktion ,Konsum bewusst, aber mit Lust' werben wir beispielsweise mit einem Flyer für ein besseres Konsumverhalten. Wer ,biologisch, regional und fair' einkauft, tut viel für einen nachhaltigen Lebensstil. Wir wollen zeigen, dass Umweltbewusstsein auch Spaß machen kann."
epd: Und im Bereich Energie?
Schürger: "Eine wichtige Rolle spielt die energetische Gebäudesanierung. Gerade in Baufragen ist es wichtig, dass Architekten und Umweltbeauftragte an einem Strang ziehen. Da kommt mir meine ehemalige Tätigkeit als Referent im Landeskirchenamt sehr zu gute. Ich kann mich mit den Kolleginnen und Kollegen in der Gemeindeabteilung da sehr schnell verständigen - und wir sind uns über die Bedeutung von Umweltaspekten in der Bauplanung sehr einig, auch wenn es im Detail dann schon einmal der Diskussion bedarf, was wünschenswert und was finanzierbar ist. Deswegen gibt die Landeskirche bei einigen Fragen auch nur Empfehlungen. Über die Evangelische Umweltstiftung und den Verein 'Schöpfung bewahren konkret' können wir außerdem kleine Aktionen und Maßnahmen unterstützen. Die Botschaft, die wir ausdrücken möchten, ist einfach: Die Erde ist schön, es lohnt sich, sie zu bewahren, und es macht Spaß."
epd: Laut Beschluss der Landessynode soll sich die Kirche auch in die Umweltpolitik einmischen. Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Schürger: "Derzeit beschäftigen wir uns mit dem Thema Biodiversität, also Artenvielfalt. Es geht um die Frage, ob ein Kleinbauer noch sein eigenes Saatgut züchten kann oder dann Gefahr läuft, aufgrund von Patentanmeldungen mit Lizenzgebühren belegt zu werden. Unternehmen lassen sich inzwischen technische Schritte konventioneller Züchtung patentieren, und der Patent-Anspruch erstreckt sich auch auf die weitere Verwendung der Pflanze. Es könnte soweit kommen, dass sogar das Essen, das die Menschen auf den Tisch bekommen, einmal lizenzpflichtig wird. Das darf nicht sein. Zwar muss sich Forschung lohnen für ein Unternehmen, aber das darf nicht so weit gehen, dass ein Unternehmen das Recht auf eine gesamte Verwertungskette bekommt. Dies muss und kann rechtlich geregelt werden. Wir bereiten gerade eine Erklärung vor, die im Oktober verabschiedet werden soll."

