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Bayerische Landeskirche: 10 000 Euro Soforthilfe für Ungarn nach Giftschlammunglück

Wie der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn und zuständige Bischof für den West-Distrikt, János Ittzés, berichtete, sei das ganze Dorf mit seinen rund 800 Einwohnern durch das Unglück betroffen und musste evakuiert werden. Auch die etwa 6000 Bewohner in der nahe gelegenen Stadt Develseri litten unter den Folgen. Die Mittel würden benötigt, damit die Opfer sich eine neue Existenz aufbauen könnten. „Viele von ihnen wollen dort nicht mehr leben“, sagte Bischof Ittzés.

Die Mittel aus Bayern stammen aus dem bayerischen Kirchenhaushalt für Katastrophenmittel. Die Summe könne auch noch deutlich erhöht werden, sagte der für die ökumenischen Beziehungen zuständige Oberkirchenrat Michael Martin dem epd. Eine Delegation der Kirchenleitung sowie mehrere Mitglieder der bayerischen Landessynode waren bis Mittwoch in der ungarischen Hauptstadt Budapest zu Gast bei ihrer Partnerkirche. In dem Unglücksgebiet war am Montag vergangener Woche in einem Aluminiumwerk fast eine Million Bauxitschlamm ausgeflossen. Mehrere Dörfer und insgesamt 40 Quadratkilometer Land wurden überschwemmt. Acht Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben, zudem wurden etwa 150 Menschen verletzt.

Beide Kirchen bleiben eng miteinander verbunden

Für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ist die Hilfe für Ungarn eine Selbstverständlichkeit, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die beiden Kirchen eng miteinander verbunden bleiben. In Budapest unterzeichneten Friedrich und Ittzés unlängst bei einem Festakt den Partnerschaftsvertrag für weitere fünf Jahre. Die Kirchenkontakte bestehen bereits seit 1992 und wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig ausgebaut. Im Rahmen der festlichen Unterzeichnung begrüßte Friedrich die Fortsetzung der Beziehungen ausdrücklich. Er sei sehr froh, dass es eine so lebendige Partnerschaft gebe, die stark von der Basis in Gemeinden, Dekanaten und diakonischen Einrichtungen getragen werde.

"Die Partnerschaft mit der lutherischen Kirche in Ungarn, die bis heute unter anderen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen existiert, ist besonders wichtig und wertvoll, weil sie den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus ermöglicht", sagte Friedrich dem epd. Dies biete neue Anreize für das eigene kirchliche Handeln. "Wir nehmen viel mit und können viele Dinge auch in unserer Kirche überdenken", fügte die ebenfalls anwesende Münchner Regionalbischöfin und ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, hinzu. 

Politisches Mitwirken an Präambel für neue Verfassung Ungarns

Die Partnerschaft mit der lutherischen Kirche ist nach Worten von Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll vor allem eine "Partnerschaft zwischen Menschen". Es gebe intensive und bewährte Beziehungen zwischen Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen und der Diakonie in beiden Ländern, sagte Deneke-Stoll bei der Festveranstaltung zur Vertragsunterzeichnung. Die Menschen in Bayern und Ungarn sorgten für Lebendigkeit und Vielfalt in der Partnerschaft. Somit hätten sie entschieden, dass die Partnerschaft weiter fortgesetzt werden müsse.

Laut Partnerschaftsvertrag wollen die beiden Kirchen künftig Schwerpunktthemen festlegen. Dazu zählen etwa das Zusammenwachsen Europas und die Rolle der Kirche in Europa, soziale Fragen wie Armutsbekämpfung, diakonische Anliegen, Umweltfragen oder auch ein politisches Mitwirken an der geplanten Präambel für eine neue Verfassung Ungarns. Insgesamt sieht der Vertrag 15 Arbeitsgebiete vor, darunter gegenseitige Einladungen zu Versammlungen und Beratungen sowie Unterstützung beim Aufbau neuer Arbeitsfelder.

Jährlich 200 000 Euro aus dem laufenden Haushaltsjahr

Die bayerische Landeskirche fördert die Partnerschaft nach eigenen Angaben jährlich mit 200 000 Euro aus dem laufenden Haushaltsjahr. Weitere 130 000 Euro fließen jedes Jahr aus Kollektenmittel hinzu. Unter den zehn Millionen Einwohnern Ungarns gibt es knapp ein Viertel evangelische Christen, der katholische Anteil liegt bei rund 60 Prozent. Die größte evangelische Kirche dort ist die Reformierte Kirche, sie hat etwa 1,6 Millionen Gemeindeglieder. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn zählt rund 300 000 Gemeindeglieder in 320 Gemeinden, in Bayern sind es rund 2,6 Millionen Protestanten.

Quelle: epd