{Abo bestellen}
"Auch wir können zu Boten werden"
"Brich an, o schönes Morgenlicht", das ist der hoffnungsfrohe Titel der zweiten Kantate des großen Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. In sie hat Landesbischof Dr. Johannes Friedrich seine Predigt zum zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 2010, in der St. Matthäuskirche in München gebettet - als Ausklang für das Weihnachtsfest, das dem Menschen so manche Wünsche erfüllt haben dürfte.
"Manche Wünsche lassen sich mit etwas Aufwand umsetzen; so ist ein ausgiebiger Urlaub nach einer entsprechenden Sparphase durchaus denkbar", sagte Friedrich, "aber zum Beispiel Gesundheit: Die können wir uns nicht einfach wünschen und davon ausgehen, dass sich der Wunsch auch sicher erfüllt. So mancher Wunsch, den wir für uns, aber vielleicht auch für die Allgemeinheit haben, lässt sich weder mit einem schnellen Kauf noch mit lange anhaltendem Sparen umsetzen. Zum Beispiel Glück, Freude, Gerechtigkeit und Frieden - das erfüllt sich nicht einfach so."
Im Bach-Choral, der während der Predigt zu hören war, sei den Hirten genau dies versprochen worden. "Im Text heißt es: ,Du Hirtenvolk, erschrecke nicht, weil dir die Engel sagen, dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein, dazu den Satan zwingen und letztlich Friede bringen!"“
"Sich aufmachen, nach vorne sehen, nicht zu lang verweilen"
Umso wichtiger sei es, ein Fest wie Weihnachten nicht einfach nur "zur Kenntnis" zu nehmen, sondern seine Botschaft von neu geborener Liebe, die wachsen könne und Leben bereichere, zu verinnerlichen und so aus dem Samen eine Frucht reifen zu lassen. Passend hierzu Bachs Arie "Frohe Hirten": Diese sei "die einzige im Weihnachtsoratorium, die kein Da capo, das heißt eine Wiederholung des ersten Teils beinhaltet. Dafür bleibt weder Zeit noch Muße. Denn die Hirten sollen sich aufmachen, nach vorne sehen und nicht zu lang verweilen."
Und wir könnten sie begleiten - und später "selbst zu Boten werden".

