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"Als Lutheraner sind wir stark in der Ökumene"

(c) www.lwb-vollversammlung.de

Die rund 400 Delegierten der jüngsten Elften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart haben eine öffentliche Erklärung zu der tödlichen Tragödie der Duisburger Loveparade verabschiedet. „Darin appellierten sie an die Verantwortlichen in Deutschland, Lehren aus dem Ereignis zu ziehen, damit Opfer künftig vermieden werden“ heißt es von Seiten des Veranstalters der Vollversammlung. Der tragische Verlauf der Loveparade, bei dem 20 Menschen getötet und mehr als 300 Menschen verletzt worden sind, habe die in Stuttgart anwesenden Kirchenleitenden aus 79 Ländern „schockiert und betroffen gemacht“. Die Teilnehmer der Vollversammlung beteten für die Verstorbenen, Hinterbliebenen und Verletzten.

Kurz zuvor hatten sie ihren neuen Präsidenten gewählt: Bischof Dr. Munib A. Younan von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) erhielt 300 von 360 abgegebenen Stimmen. In seiner Dankesrede zeigte sich Younan gerührt vom Zuspruch der Delegierten der Vollversammlung. „Ihre Liebe motiviert mich sehr, meine Arbeit für die Kommune fortzusetzen und meine Talente und alle Gaben, die Gott mir geschenkt hat, einzusetzen.“

Gerechtigkeit ist "Schlüssel für die Zukunft"

Als Schwerpunkt für die LWB-Arbeit unter seiner Präsidentschaft nannte Younan die Sorge um die Gestaltung konstruktiver Mission. „Was bedeutet es, in einer säkularen Gesellschaft zu leben, in der immer mehr Menschen ihren Glauben verlieren?“ Es gelte, die Entwicklung von Mission zu beobachten und zu verbessern: „Läuft sie als Einbahnstraße, oder ist sie für beide Seiten von Nutzen?“ Dazu müsse der LWB noch konzentrierter als ohnehin schon auf die Nöte und Bedürfnisse seiner Mitgliedskirchen eingehen. Ebenso beziehe sich eine weitere Vision auf die Ökumene: „Als Lutheraner sind wir stark in der Ökumene“, unterstrich Younan, „Sie können kein guter Lutheraner sein, ohne ein guter Ökumeniker zu sein“. Entsprechend gelte es, diese konfessionell übergreifende Stärke weiter auszubauen. Ebenso betonte Younan den verstärkten globalen Einsatz für kulturelle und religiöse Gerechtigkeit zwischen den Menschen, den Völkern dieser Welt – gesunde Gerechtigkeit sei der „Schlüssel für die Zukunft“.

Ein weiterer Höhepunkt der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Stuttgart war die bewegende Zeremonie, bei der die Delegierten im Rahmen eines Historischen Aktes die Gemeinschaft der Mennoniten um Verzeihung baten für die Unterdrückung und die Verfolgung in der Vergangenheit. Bischof Danisa Ndlovu, Präsident der Menonnitischen Weltkonferenz, nahm im Namen der Weltkonferenz die Bitte der Delegierten um Vergebung an. „Es war ein sehr emotionaler Moment für uns alle“, so Ndlovu. „Ich bin mir sicher, dass ich nicht allein so empfunden habe. Ich habe viele Menschen gesehen, die es sehr berührt hat, was heute geschehen ist.“