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Bußtag soll in Bayern wieder richtiger Feiertag werden
Kultusminister Spaenle hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" angekündigt, er werde sich dafür einsetzen, dass der Buß- und Bettag als "richtiger Feiertag" wieder kommt. Der Feiertag fiel 1995 der Finanzierung der Pflegeversicherung zum Opfer und wurde in allen Bundesländern außer in Sachsen ersatzlos abgeschafft.
Landesbischof Johannes Friedrich (Foto unten) und Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll forderten alle Landtagsabgeordneten in einem Schreiben auf, sich für die Wiedereinführung des Feiertages einzusetzen. Dabei handele es sich nicht nur um ein kirchliches Anliegen. Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Klimakrise werde in Gesellschaft und Öffentlichkeit ein Tag gebraucht, "der in besonderer Weise zur kritischen Selbstprüfung einlädt", heißt es darin. Es gehe darum, sich zu vergewissern, dass der Mensch Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und die Umwelt habe, unterstrichen beide. Der Gesellschaft komme es "teuer zu stehen", wenn sie die Notwendigkeit von Buße und Neuorientierung" unterbewerte.
"Ein wichtiger Tag der inneren Einkehr"
Die Streichung des Bußtages als gesetzlicher Feiertag sei ein politischer Irrweg gewesen, erklärten Friedrich und Deneke-Stoll weiter.
Es stehe inzwischen fest, dass Strukturprobleme der´Sozialversicherungssysteme und deren Folgen sich nicht lösen ließen, "indem Feiertage - und damit Kulturgut - geopfert werden." So seien auch die Belastungen von berufstätigen Eltern durch den schulfreien Buß- und Bettag nicht länger hinnehmbar. "Am besten wäre es, wenn die ganze Familie am Buß- und Bettag einen Feiertag hätte", so der Landesbischof
und die Synodalpräsidentin.
Auch nach Ansicht der bayerischen SPD ist der Buß- und Bettag ein wichtiger Tag der inneren Einkehr, wie Sozialsprecherin Christa Steiger erklärte. Die CSU forderte sie auf, ihren Worten endlich Taten folgen zu lassen und die Forderung nach Wiedereinführung als gesetzlichen Feiertag voranzutreiben.
"Wir müssen aus Fehlern lernen"
Kultusminister Spaenle hatte die Abschaffung als einen Fehler bezeichnet. Das Einsparvolumen sei heute nicht mehr spürbar. "Wir müssen
aus Fehlern lernen", fügte er hinzu. Der Unionspolitiker hält es für sinnvoll, dass Menschen einen Tag im Jahr innehalten und darüber nachdenken, "wohin man will im Leben." Für die Wiedereinführung des Feiertages hatte sich bereits der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Becksteins (CSU) stark gemacht, der auch Mitglied der bayerischen evangelischen Landessynode ist.
Für die Protestanten ist der Buß- und Bettag ein Tag der Besinnung und Neuorientierung. In Gottesdiensten und Andachten fragen evangelische Christen danach, wie sie ihr Verhalten ändern sollen. Der Bußtag wurde 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt.


