Eröffnung des Pavillons der gastgebenden Kirchen
Stadtdekanin Barbara Kittelbeger und Peter Beer, Generalvikar des Erzbistums München, haben am vergangenen Wochenende des Pavillon der gastgebenden Kirchen des "2. Ökumenischen Kirchentags" (12. bis 16. Mai 2010) in der Neuhauserstraße in München eröffnet. Lesen Sie hier die vollständige Ansprache zur feierlichen Eröffnung im Original-Wortlaut:
"Liebe Schwestern und Brüder!
Wenig ist viel. So auch in folgender Geschichte:
Eines Tages bemerkte der König, dass er alt geworden war. Er rief seine Söhne in die große Halle. ,Bis zum Abend habt ihr Zeit', sagte er, ,diesen Saal zu füllen.' Er gab ihnen einen Silberling. Das war nicht viel. „Wer es schafft, soll mein Nachfolger werden.“
Die beiden zogen los. Der Ältere kam an ein Feld, auf dem die Leute gerade Weizen droschen. ,Ich gebe euch einen Silberling für die Spreu!' Die Bauern waren froh, die Spreu los zu sein und brachten sie sogar ins Schloss. ,Du kannst mich zum König machen' rief der Ältere seinem Vater zu, ,Ich habe den Saal gefüllt!'
Aber der Vater wollte noch warten. Als es dämmerte, kam schließlich der Jüngere. ,Räumt dieses nutzlose Zeug hier raus', sagte er. Dann stellte er eine Kerze in die Mitte des Saales. Er zündete sie an. Warmes Licht füllte den ganzen Raum und ließ die Gesichter des Königs und der Söhne, der Diener und der Mägde leuchten. Der alte König lächelte: ,Du wirst mein Nachfolger.'
Wenig ist viel.
Es braucht wenig, ein wenig Licht. Das rechte Hinsehen, den richtigen Einfall und Mut. So kommt bestechende Klarheit ans Licht.
Die kleine Geschichte hat ein überraschendes Ende. Es braucht wenig. Denn wenig ist genug. Ähnliches gilt für das Evangelium vom Licht und Salz.
Unser Tun und Lassen wird in Bilder gekleidet.
Salz ist nur dann nütze, wenn es würzt, die nötige Schärfe gibt und so einer Speise zu Harmonie und Glanz verhilft. Es braucht das rechte Maß- nicht zu viel und nicht zu wenig. Es ist nicht egal, und man kann das Würzen nicht nebenbei machen.
Unser Glaube und unsere Botschaft ist das Salz. Unerlässlich, unersetzbar, brauchen das richtige Maß für eigenes Tun und Gottes Handeln. Scharf und klar, Geist-voll und besonnen.
Licht leuchtet und schafft Orientierung. Es braucht keine großartige Lichtquelle. Es braucht Zentrierung, so dass das Licht unübersehbar ist. Nicht unter einem Eimer; sondern auf der Spitze eines Berges, mitten im Saal.
Wenig ist viel. Manchmal gelingt es uns besser, manchmal weniger gut, Licht und Salz zu werden.
Unübersehbar, mitten drin sind wir in der Stadt als gastgebende Kirche mit einem Pavillon anlässlich des ÖKT sichtbar. Sind wir auch spürbar, erlebbar? Geben wir die rechte Würze. Haben wir Kraft und Mut, die reinigende Wirkung des Salzes zuzulassen. Verstecken wir das Licht?
Die nächsten Tage werden es ans Licht bringen. Das Salz soll würzen im Bildwort gesprochen, den Geschmack verstärken, auch einmal den Finger auf die Wunde legen
und reinigen.
Das Licht soll leuchten, den Weg weisen, Dinge ans Licht bringen und ins rechte Licht rücken.
Der Pavillon ist ein Ort, an dem unsere Gäste Orientierung bekommen. In das Dunkel der Stadtpläne wird Licht gebracht. Die Verworrenheit von Orten und Zeiten lichtet sich. Programme werden lesbar. Ein offenes Ohr, ein aufmunterndes Wort, eine helfende Hand und manches mehr gehören dazu.
Als Gastgeberinnen und Gastgeber wollen wir,
dass sich unsere Gäste in München wohlfühlen,
dass sie in unseren Kirchen Ruhe finden und Kraft tanken
dass sie in diesen Tagen geistbegabte Erfahrungen sammeln
dass über allen konfessionellen Unterschieden der Geist der Einheit sichtbar wird.
Möge der Pavillon dazu beitragen, dass Gottes Licht in unserer Stadt leuchtet vor den Leuten, damit sie den Vater im Himmel preisen.
Amen."

