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"Ich freue mich auf spannende Wettkämpfe"

Vom 29. Februar 2012 bis 11. März 2012 findet im bayerischen Ruhpolding die Biathlon-WM statt

Frau Arnold, Herr Schmeckenbecher, mit welchen Gefühlen blicken Sie diesem sportlichen Ereignis in Ihrer Eigenschaft als Sportpfarrer entgegen?
Julia Arnold:
"Ich freue mich auf spannende Wettkämpfe und hoffe, dass Magdalena Neuner ihrer Favoritenrolle gerecht wird und ihre Fans glücklich macht! Ruhpolding ist ein wunderschöner Ort und viele auch freiwillige Heferinnen und Helfer legen sich seit Monaten ins Zeug, damit es für alle eine tolle WM wird. Wir vom Vorbereitungskreis Kirche und Sport bringen uns mit unseren Werten ins Spiel und zeigen mit dem ökumenischen Eröffnungsgottesdienst am Dienstagabend und Angeboten wie einem Orgelkonzert, dem Weltgebetstag und einer spirituellen Wanderung, dass wir als Kirche mitten drin sind. An den Wettkampfstätten werden wir als Seelsorger mit unseren roten Westen nicht zu übersehen sein, weil wir von Kirche und Sport da sind, wo die Menschen sind."
Thomas Schmeckenbecher: "Meine Gefühle als Gemeindepfarrer zu dem Sportereignis des Jahres im Wintersport sind durchweg positiv. Es freut mich für uns am Ort, dass positive Nachrichten vom Urlaubs- und Sportdorf Ruhpolding  um die Welt gehen, die auch zeigen werden, wie unkompliziert ein solches Ereignis stattfinden kann und auf welchem schönen Fleckchen Erde wir leben dürfen."

Im Biathlon ergeben zwei Sportarten eine spannende, gewinnbringende Mischung: Skilanglauf und Schießen. Welche Kombination macht den Glauben für den Menschen spannend und gewinnbringend?
Schmeckenbecher:
"Um bei allen Vergleichseinschränkungen beim Bild des Biathlon zu bleiben: Glaube ist wie dieser Sport eine Herausforderung. Neben extremen Kraft- und Ausdauerleistungen beim Langlaufen müssen zwischendurch mit hoher Präzession und Ruhe die Zielscheiben getroffen werden. Eine solche Mischung macht auch den lebendigen Glauben aus. Durchhalten auf so manch längerem und herausforderndem Glaubensweg und dabei immer wieder das Ziel vor Augen finden. Das macht den Glauben gewinnbringend und spannend."
(c) PrivatArnold (Foto): "Mir gibt der Glaube Halt und Orientierung zum Beispiel dabei, wie ich achtsam mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen umgehe. Und trotzdem ist der Glaube nichts Starres. Der Austausch mit anderen darüber, wie man Gott sehen kann oder auch, was von ihm geheimnisvoll oder auch unverständlich bleibt, ist für mich spannend und gewinnbringend."

Inwieweit haben Kirche und Sport etwas miteinander zu tun?
Arnold:
"Kirche und Sport bringen Menschen in Bewegung, geistlich und körperlich; nirgendwo sonst werden so viele positive Emotionen frei gesetzt! Und beide leben vom Glauben; ein Sportler, der nicht an sich glaubt, wird nicht erfolgreich sein."
Schmeckenbecher: "Sowohl Kirche als auch Sport haben mit dem Menschen zu tun. Die Schnittmenge wird dort noch größer wo, der Sportler oder/ und Fan sich Grundsatzfragen des Lebens stellt und nach Antworten sucht. Und umgekehrt, dass Kirche dort Stellung bezieht, wo der Mensch durch die verschiedensten Interessen zu zerbrechen droht. Darüber hinaus ist das vernünftig dosierte Sporttreiben ganz im Sinne des Christentums. Denn schon beim Buch Jesus Sirach im Kapitel 30 Vers 15f. steht: ,Gesund und frisch sein ist besser als alles Gold, und ein gesunder Körper ist besser als großes Gut. Kein Reichtum ist zu vergleichen mit einem gesunden Körper, und kein Gut gleicht der Freude des Herzen.'"

Sport ist ein „Entweder-Oder“-Geschäft: Ein Sportler siegt entweder oder aber er verliert. Wie kann der Glaube einem Sportler helfen, dieses sehr schwarzweiß malende Entweder-Oder in ein sanfteres „Sowohl-Als-Auch“ zu verwandeln?
Arnold:
"Viele Sportlerinnen und Sportler wissen, dass das alleine nicht genügt. Sie glauben nicht nur an sich selbst, sondern auch an Gott. Sie erleben, dass es im Sport nicht ohne Niederlagen abgeht. Entscheidend für einen Sportler ist, wie er mit Niederlagen umgeht. Gerade wenn es schwer wird, an sich zu glauben, dann ist es gut darauf zu vertrauen, dass es einen Gott gibt, der für alle da ist, für Sieger und Verlierer."
(c) PrivatSchmeckenbecher (Foto): "Diese Schwarzweißsicht kann ich beim Biathlon zumindest nicht teilen. Dadurch, dass es verschiedene Disziplinen gibt, ist innerhalb des Nationalteams überwiegend ein wertschätzendes Umgehen miteinander wahrzunehmen und nötig. Vom Erfolg z.B. einer Magdalena Neuner profitiert der ganze Biathlonsport auf allen Ebenen. Und dabei kommt es auch auf die Trainer und Zuarbeiter für die Ausrüstung etc. an. Aber eigentlich will ich mir kein fundierteres Urteil als Außenstehender erlauben. Doch grundsätzlich ist beim Sportler so wie bei jedem Berufstätigen oder Menschen mit beanspruchenden Aufgaben immer zutreffend: Mein Glaube kann mir helfen, dass sich nicht nur alles um mich selbst und meinen Erfolg dreht. Und dass es noch ein Leben außerhalb des Sports gibt, das man braucht und in dem man auch von anderen und von Gott gebraucht wird."

Frau Arnold, Herr Schmeckenbecher, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Zur Person: Julia Arnold, 35, ist seit Mai 2011 beauftragte Pfarrerin der Evangelischen Landeskirche in Bayern für Kirche und Sport. Sie wird eigens zur Biathlon-WM nach Ruhpolding, dem Austragungsort der WM im oberbayerischen Landkreis Traunstein in den Chiemgauer Alpen, reisen, um dort im Wesentlichen dafür Sorge mit zu tragen, dass "Kirche vor Ort" auch bei der Biathlon-WM präsent ist.

Zur Person: Thomas Schmeckenbecher, 36, ist evangelischer Pfarrer mit Pfarramtsführung in Ruhpolding

Kirchliche / spirituelle Veranstaltungen rund um die Biathlon-WM finden Sie hier!

Spirituelle Impulse zur Biathlon-WM lesen Sie hier!