Wort zum Advent 2011: "Eine Zeit des Innehaltens"

Geistliches Wort von der Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode, Dorothea Deneke-Stoll 

München (epd). "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit", so beginnt eines der bekanntesten Adventslieder. Das Wort "Advent" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Ankunft. Am 1. Adventssonntag beginnt  ein neues Kirchenjahr. Christinnen und Christen bereiten sich in der Adventszeit auf die Geburt Jesu, die Ankunft des Gottessohnes in der Welt, vor, die an Weihnachten gefeiert wird. Viele schöne Bräuche begleiten die Adventszeit. Der Adventskranz zum Beispiel mit seinen grünen Zweigen symbolisiert Hoffnung, die stärker ist als der Tod. Die vier Kerzen, eine für jeden Adventssonntag, bringen Licht in die dunkle Jahreszeit und weisen auf Christus als das Licht der Welt hin. Früher galt die Adventszeit als „Stade“, als stille Zeit. Manche Menschen bereiteten sich, ähnlich wie in Wochen vor Ostern, durch Fasten auf den Heiligen Abend vor.

Heute dagegen klagen in diesen Wochen viele über Hektik und Stress. An Weihnachten soll alles perfekt sein. Also muss schnell noch die Wohnung geputzt und das Haus geschmückt werden. Da sind Plätzchen zu backen, möglichst immer mehr und immer neue Sorten. Das Festmenü ist zu planen und die Verwandtenbesuche  an den Feiertagen - schließlich darf keiner zu kurz kommen. Wir laufen auf der Suche nach Geschenken, für Leute, die meist ohnehin schon alles haben, durch die grell beleuchteten Innenstädte. Eine Weihnachtsfeier folgt der anderen, und bis zum Heiligen Abend haben wir oft schon reichlich genug von all dem Weihnachtszauber.

Aber muss das denn wirklich alles so sein? Können wir denn überhaupt nicht mehr warten und innehalten? Viele Menschen- manche davon leben sogar hart an der Grenze zum Burnout- sehnen sich "Entschleunigung", nach Ruhe und Besinnung, scheitern aber gerade in der Adventszeit an ihren eigenen Perfektionsansprüchen. Wir alle sollten den Mut zu mehr Einfachheit und Gelassenheit aufbringen. Wir sollten lernen, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und weniger auf die (vermeintlichen) gesellschaftlichen Zwänge. Es ist kein Weltuntergang, wenn der Festtagsbraten aus der Tiefkühltruhe kommt, die Plätzchen gekauft sind und wir nicht jede vorweihnachtliche Feier mitmachen. Jesus ist gerade nicht in eine perfekte Welt gekommen, sondern in eine unvollkommene. Bei ihm dürfen wir uns so angenommen fühlen, wie wir sind, auch mit Fehlern und Schwächen.

In diesem Sinne könnte die Adventszeit eine Zeit des Innehaltens sein. Das würde auch unserer Gesellschaft gut tun, gerade am Ende des ereignisreichen Jahres 2011. Die Geschehnisse im Nahen Osten, Fukushima und die Energiewende, die Eurokrise und die Turbulenzen auf den Märkten, fordern uns mehr denn je zum Nachdenken auf: Was brauchen wir wirklich? Wo sind wir bereit, mit anderen solidarisch zu sein? Auf welche Werte wollen wir bauen? Wie soll die künftige Entwicklung unseres Landes, Europas, der Welt verlaufen? Gott kommt zu uns; er wird bei uns sein. Wenn wir hierauf hoffen und vertrauen, wird er Licht in unsere Dunkelheit bringen." 

Dorothea Deneke-Stoll ist Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode

Das Wort zum Advent der Synodalpräsidentin können Sie hier herunterladen