Wenn Kinder sterben

Jeder Tod von Angehörigen bringt uns aus dem Tritt. Wenn aber Kinder ernsthaft krank sind oder gar sterben, dann reißt das ihre Familie ins Bodenlose. Wie kann es sein, dass Eltern ihre Kinder überleben? Das kann nicht Gottes Willen sein! Schuldgefühle, Verzweiflung, Wut und Fragen, die sich schon beim Tod von Erwachsenen stellen, werden hier übermächtig. Leichte Antworten gibt es nicht. Es ist einfach nicht verständlich, warum Gott den Tod dieser Kleinen zulässt. Neben der anderen Belastung kann auch der Glaube in eine tiefe Krise geraten.

Das Sterben eines Kindes ist für jede Familie eine Zerreißprobe. Da ist das todkranke Kind mit seinen Schmerzen, Fragen und Ängsten. Die Eltern kämpfen mit dem eigenen Leid, verbringen jede freie Minute am Bett des kranken Kindes und haben doch auch noch andere Kinder zu Hause. Und da gibt es die Geschwister, die oft nicht verstehen, was in ihrer Familie geschieht und die doch die Bedrohung spüren. Sie verlieren in dieser Zeit einen Bruder oder eine Schwester und müssen gleichzeitig miterleben, wie sich ihre Eltern verändern. Dazu kommt die eigene Trauer und Unsicherheit.

Familien in einer derartig schwierigen Situation benötigen jede Stärkung. Sie sollten nicht zögern, die Hilfe von Klinik- oder Gemeindeseelsorgern und psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, aber auch die tatkräftige Hilfe von Nahestehenden, die kochen, im Haushalt helfen und ab und zu die anderen Kinder betreuen. Kollegen, Nachbarn und Freunde können hier durch behutsame Aufmerksamkeit lebenswichtig werden.

Todkranke Kinder spüren die Belastung, die ihr Sterben für ihre Familie darstellt. Sie machen sich Sorgen um ihre eigene Zukunft und um die Familie und meinen oft, ihre Eltern schützen zu müssen. Es ist wichtig, dies behutsam aber offen anzusprechen. Sterbende Kinder haben oft ein tiefes Wissen um ihre Situation und sind dankbar für Ehrlichkeit und offen ausgedrückte Gefühle. Wo dies gelingt und möglichst auch die Geschwisterkinder altersgemäß einbezogen werden, kann die letzte gemeinsame Zeit rückblickend als schwere, aber bereichernde Zeit empfunden werden.

Die Trauer um ein Kind – ob sein Tod vorbereitet oder  unvorbereitet kam – begleitet ein Leben lang. Vater und Mutter, Geschwister und Großeltern – jeder trauert auf seine Weise. Gerade das wird in der Beziehung las so belastend empfunden: dass der Partner nicht fähig ist, das eigene Leid mitzutragen, weil er selbst mit sich und seiner Trauer beschäftigt ist. Selbsthilfegruppen und Therapien helfen hier, sich und den anderen zu verstehen, miteinander zu sprechen und auch die Geschwister mit ihrer Trauer ernst zu nehmen.

Neben den engsten Verwandten sind auch die Freunde, der Kindergarten oder die Schule von dem Todesfall eines Kindes stark betroffen. Altersgemäße Rituale, ein Gedenkbuch, ein Raum der Stille und ehrliche Gespräche mit den Kindern geben der Trauer und dem Unverständnis über den Verlust Raum. Offen ausgedrückte Gefühle zeigen den Kindern, dass sie mit ihrer Traurigkeit nicht alleine stehen.

Kontakte zu Selbsthilfegruppen betroffener Eltern und Geschwister gibt es bei

„Verwaiste Eltern“
Esplanade 15,
20354 Hamburg;
Tel: 040 - 3550 56 43/44
www.veid.de
 
oder im Raum München bei
Verwaiste Eltern München e.V.
St. Wolfgangs-Platz 9,
81669 München.
Tel: 089 - 480 88 99 0
www.verwaiste-eltern-muenchen.de