"Taufe ist ein Versprechen"

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Was ist der Sinn von Taufe? Warum soll man sich taufen lassen? Reicht es nicht, Gott im Herzen zu haben? Ist darüber hinaus erforderlich, sich und seinen Kindern das sichtbare Sakrament angedeihen zu lassen? All diese Fragen stellte die Redaktion von bayern-evangelisch.de an Dr. Wolfgang Leyk, 51, evangelischer Pfarrer in Erlangen. Ein Interview!

Herr Dr. Leyk, warum sollen Menschen sich taufen lassen? Was haben sie davon?
Dr. Wolfgang Leyk:
„Das sind beides Fragen, die in sich schwierig sind, denn: Die Menschen SOLLEN gar nichts, erst recht MÜSSEN sie nichts – ob sie sich taufen lassen oder nicht, diese Entscheidung liegt alleine bei ihnen selbst, und so, wie sie sich entscheiden, wird es für sie persönlich richtig sein und davor habe ich als Pfarrer auch Respekt. Zum anderen haben sie nichts von der Taufe im Sinne eines materiellen oder sozialen Nutzens. Taufe ist auch keine Zulassungsbedingung zur Kirche, keine definierte Grenze zwischen christlich und unchristlich.“

Sondern?
Dr. Leyk:
„Taufe ist ein Versprechen: Dass Gott über die Grenze des menschlich Erfassbaren für den Getauften da sein wird.“

Und für den Ungetauften nicht?
Dr. Leyk:
(lacht) „Das wäre jetzt der einfache Umkehrschluss, ja. Aber so einfach ist das nicht. Natürlich ist Gott letztendlich für alle Menschen da, auch für die Ungetauften. Nehmen wir nur folgendes Beispiel: Das neugeborene Kind eines frisch gebackenen Elternpaares verstirbt schrecklicherweise wenige Stunden nach der Geburt oder während der Schwangerschaft – ungetauft. Meinen Sie, der Seelsorger sagt den Eltern, ,leider kann Gott für Ihr Kind in Ewigkeit nicht da sein, da es ja nicht getauft ist‘? Natürlich sagt er das nicht. Und natürlich ist Gott für die Ungetauften da wie für die Getauften. Vor diesem Hintergrund sollte man Taufe dann vielleicht noch anders erklären: Es ist ein Weg für uns Menschen, uns das Gefühl der Verbundenheit zu Gott, der warmen Verbundenheit zum Leben ein Stück weit zu vermitteln…“

Inwieweit?
Dr. Leyk:
„Das Gießen des Wassers über den Kopf des Täuflings, die Stimme des Pfarrers, die Stimmung am Taufbecken, der ganze Vorgang in der Kirche: All diese Dinge, die ich sehen, hören, fühlen, erleben kann tragen dazu bei, dass ich Gott gegenüber eine ganz andere Verbindlichkeit fühle, einen anderen Zugang zu ihm habe.“

Aber letztendlich sind das alles Äußerlichkeiten, die Sie da benennen. Reicht es nicht, Gott im Herzen zu haben?
Dr. Leyk:
„Wenn Sie persönlich für sich entscheiden, dass das für Sie ausreichend ist, ist das doch völlig in Ordnung. Generell orientiert sich der Mensch aber gerne am sinnlich Erfassbaren – damit macht er es sich selbst einfach leichter. Anders gesagt: Ich glaube nicht an eine Weltsicht, die echte Erlebnisse und innere Gefühle trennt, das eine hängt mit dem anderen zusammen.“

Aber wie merke ich, dass Taufe in meinem Leben wirkt?
Dr. Leyk:
„Sie erleben die Taufe als etwas Besonderes; es ist, als würde sich ein Fenster auftun, als wären wir in einem großen Plan unterwegs. Babies nehmen das natürlich nicht bewusst wahr. Aber ältere Menschen.“

Hat der Zulauf von Menschen, die sich im Erwachsenenalter taufen lassen wollen, zugenommen?
Dr. Leyk:
„Oh ja, gerade in den letzten zwei, drei Jahren registriere ich mit großer Freude, dass die Menschen für sich die anfangs noch diffuse Beobachtung machen, dass da irgendwas dran ist an der Taufe. Dass es nichts ist, was sich mit einem Nutzen belegen ist, nichts, woran man wie an eine mathematische Gleichung gehen kann.“

Sondern was ist es?
Dr. Leyk:
„Taufe ist eine mentale und seelische Grundsicherung im Leben, eine unsichtbare Basis, eine innere Grundhaltung, die einem das Gefühl gibt, ganz bewusst in ein System von Sinn und Zuwendung eingestiegen und eingebunden zu sein. Wenn ich einer Frau zehn rote Rosen schenke, ist das eine Liebeserklärung weit über das sichtbare Zeichen hinaus. Wenn ich mich taufen lasse, ist das wie eine Liebeserklärung von Gott an mich, die ich einfach nur bewusst annehme.“

Herr Dr. Leyk, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Interview: Almut Steinecke